DAS ERSTE WETTERLEUCHTEN
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zeigte: kurz, gut und tief. Dann trat Pfarrer Walter aus Danzig an das einfache Pult. Nicht im Talar wie sonst, sondern im gewöhnlichen, fadenscheinigen Lagerüberzieher wandte er sich an die Anwesenden. Da für eine Anzahl von Brüdern die Befreiungsstunde gekommen sei, wolle man sich ein letztes Mal um das Wort versammeln. Wir dürften Gott danken für alles, was wir im Lager an Durchhilfe erfuhren. Auf die Frage: ,, Habt ihr auch je Mangel gehabt?" steige wie damals bei den Jüngern des Meisters trotz vielfach erlebter Nöte dankbar die Antwort empor: Herr, nie keinen."„ Auch damals, als wir die Kapelle noch nicht hatten, wurde uns das Maß der Aufrichtung zuteil, das wir brauchten. Gott sei Dank für alles!" so lauteten seine Schlußworte. Darauf verlas er noch den 103. Psalm, und ein gemeinsames, von Herzen kommendes Vaterunser machte den Beschluß der Feier, die unser aller Herzen mit Wehmut und Freude füllte. Es pfiff schon zum Appell. ,, Antreten!" schrie die Stimme der Blockmoguls, und ich war schon dabei, hinauszustürzen, um mich nicht zu verspäten, da trat mir Pfarrer Dittmer in den Weg und bat mich, schnell noch mit ihm auf die Stube zu kommen. So eilig ich es auch hatte, tat ich ihm in Anbetracht der Abschiedsstunde den Gefallen. Er wollte ein Schlatterbuch, das er nicht mitnehmen konnte, doch auch nicht einfach im Lager zurücklassen und schenkte es deswegen mir. Schnell verbarg ich es unter dem Mantel und erreichte mit Mühe just noch den Block 4, aus welchem die Häftlinge bereits im Morgendunkel abmarschierten, um am Appell teilzunehmen, der für einige unserer Pfarrerfreunde der letzte sein sollte hoffentlich! Wann
kommt er für uns, der letzte Appell?
Was den guten Reger angeht, so ist seine Entlassung ein Musterbeispiel dafür, was heutzutage ein Manneswort gilt. Ich erinnere mich noch wohl daran, wie hoffnungs


