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DAS ERSTE WETTERLEUCHTEN
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81 Progrom im kleinen, kurz Passionszeit! Die Kette von Miẞhelligkeiten will nicht abreißen. Meine sogenannten Nerven leiden sehr darunter: ich bin überreizt und drohe dem Satan zum Opfer zu fallen. Fuhr ich gestern abend, als der Knabe Hiob meine Geduld nur auf eine leichte Probe stellte, sein Duldergesicht nicht an: ,, Noch einmal so und ich haue dir eine runter"? Soweit ist es mit mir gekommen! Diesen Ton schlage ich an! Dieser echte Dachauer Miẞklang fuhr plötzlich aus mir heraus, ohne daß ich es wollte. Aber das entschuldigt mich nicht, vielmehr verriet diese unwillkürliche Außerung nach Schopen hauer gerade mein tiefstes Innere. Unsern wahren Charakter lernen wir ja erst durch die Erfahrung kennen. Also ein solcher Zornickel bin ich in Wirklichkeit, der ich mich für einen besonders sanftmütigen Menschen gehalten hatte! So kann man sich, täuschen, und so täuschte ich mich. Womit hatte er denn meinen Unwillen herausgefordert? Es war, genau besehen, dieses Aufwands an Erregung nicht wert. Ich hatte ihm angeboten, dann und wann einen Teller meiner Breikost gegen einen Teller Suppe mit ihm zu tauschen. Da er aber zu stolz war, einen Vorteil ein solcher ist einzuheimsen, lehnte er ab, wollte mir aber einen Teller seiner Suppe umsonst abtreten. Das fehlte noch! Ihn, der vor Entbehrung täglich elender wird, noch um seine Suppe bringen! Wie konnte er mir eine solche Herzlosigkeit zutrauen! Auf einen ehrlichen Tausch wollte er sich nicht einlassen, aber gleichzeitig seinen Freund dazu verführen, als ein Selbstsüchtling an ihm zu handeln. Das war es, was mich aufgebracht hatte. Ein Glück, daß er nicht im geringsten empfindlich ist. Nachher setzte er sich friedlich neben mich, um mir Winkel und Nummer an die Hose zu nähen; zuvor hatte er sich an einem Teller meines Breies gestärkt, der diejenige Eigenschaft aufwies, nach welcher im Lager am meisten gefragt wird: daß der Löffel drin stecken
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Fünf Minuten vor Zwölf 6
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wenn es


