DAS. ERSTE WETTERLEUCHTEN 69
Später. Freund Joos konnte mir keine große Hoffnung auf einen Posten im Revier machen, als nach welchem ich schon lange trachtete, weniger als Pfleger, denn als Schreiber. Meine jüngste Vergangenheit wirft ihre Schatten. Der leitende Arzt, Sturmbannführer X., nimmt keine Sklaven auf, die eine Lagerstrafe haben, und nun habe ich deren schon zwei. Dagegen hat mir Hubersepp versprochen, sein Möglichstes
zu tun, um mir schnell eine gute Stelle zu verschaffen. Bei
dem großen Einfluß, den der kleine Mann allenthalben hat, darf ich damit rechnen, daß meine Not bald ein Ende haben wird. O Gott hilf ihm, damit auch mir geholfen sei!
Dienstag, 13. Februar 1945.
Hubersepp hat geholfen! Der Kapitalkerl! Morgen trete ich bereits meine neue Stelle an, es ist eines der besten Kommandos, wie geschaffen für mich. Vor allem werde ich sonntags frei haben. Darauf lege ich den größten Wert, um, wenn auch verbotenerweise, an den Gottesdiensten teil- nehmen zu können. Der Leiter des Arbeitseinsatzes, Schnabel, hat sich persönlich zu mir auf die Stube bemüht, ein Vorzug, der die Hochschätzung beweist, die Hubersepp genießt. Der Stubenpharao machte große Augen, als er mich rufen mußte. Freund Schnabel erkundigte sich bei mir, ob ich auf der Schreibmaschine und in der Kurzschrift geübt sei. Als ich dies bejahte, fragte er mich in sehr freundlicher Weise, ob ich bereit sei, eine Stelle bei der SS-Besoldungsstelle zu übernehmen. Ich wußte nicht, was’ich lieber tat, und so ist denn.das kurze Zwischenspiel schnell beendigt; das schwache Unsichtbare hat das starke Sichtbare überflügelt und den Wettlauf gewonnen. Ihm sei Dank für die wunderbare Hilfe!— Und jetzt hätte ich nur den Wunsch, daß sich auch für den Knaben Hiob etwas Gescheites fände. Sie plagen


