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FÜNF MINUTEN VOR ZWOLF
Kampf ums Dasein ist hinter dem Stacheldraht so erbittert wie draußen, nur daß er noch heimtückischer geführt wird. Man sollte meinen, wer am Boden liege, könne nicht noch tiefer stürzen, doch hier ist dies der Fall. Der Grund, auf den wir gekommen zu sein glaubten, als wir im Lager landeten, hat nachgegeben, so daß sich ein Souterrain gebildet hat mit allen sozialen Schattierungen und vielen Abstufungen vom Proleten bis zum Plutokraten. Nur daß du hier den Feind tagaus tagein auf dem Hals hast und die winzigste Kleinigkeit dich sofort in die Katastrophe zerren kann.
Mein Sturz trifft mich empfindlich. Es ist ja nicht nur der Verlust des Kommandos, welches eines der besten und mit guten Pfründen gespickt war; nein, auch die Folgen, die sich möglicherweise einstellen, sind unabsehbar. Du gleichst als ,, Uneingeteilter" dem Treibholz, bist ein Gegenstand der Laune für alle Blockpiraten; in Gefahr, jederzeit auf Transport zu kommen und im Niemandsland zu verschwinden. Sollte sich der Blockpharao die Gelegenheit entgehen lassen, jetzt mit mir abzurechnen? Die Gefahr ist groß, es gilt zu handeln. Ich muß seinen Ränken zuvorkommen. Wollen sehen, wer zuerst am Ziel ist, Gott oder der Teufel! Wie schrieb mir Professor Heim vor zwei Jahren von der ,, Hand des Unsichtbaren, der uns führt"? Nach ihr greife ich.
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Vielleicht landen die Fallschirmjäger inzwischen? Doch darf ich mich nicht auf sie verlassen; der Parolenmüller will zwar auf geheimem Wege gute Nachrichten erhalten haben, allein: sicher ist sicher. Ich halte mich einmal an meine Freunde und werde Joos, den ehemaligen Zentrumsabgeordneten, in Bewegung setzen und vor allem den Vielgetreuen, der mich schon aus so mancher Patsche herausgefischt hat, Hubersepp, den Kantinencapo einen der wenigen, die Menschen geblieben sind in diesem unmenschlichen Klima.
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