DAS ERSTE WETTERLEUCHTEN s5$
ertappt hätte, der SS einen Ochsen gestohlen zu haben.„Also Russisch lernt er auch! Das wird immer besser!“ Der ge- fürchtete Augenblick war gekommen. Ich wußte, der Besitz des Buches werde mir weit mehr verdacht werden als der der Wurst, und ich wartete nur auf die Frage:„Woher das Buch?“ Die fürchtete ich am meisten,— weil ich es auf illegale Weise vom Pragmatiker erhalten hatte und ihn. unter keinen Umständen in Verlegenheit bringen wollte. Die Frage kam nicht, sondern eine weltanschauliche Ohr- feige, worauf sie mich laufen ließen samt rotem Hals- tuch, aber ohne rote Grammatik. In kurzem hatte ich den Zeugen gefunden, der meine Aussagen bestätigte. Das Corpus delicti, die Wurst, lag in ihrer ganzen einladenden, verführerischen Unschuld auf dem Seitentischchen; o, hätte ich sie nie gesehen! Und ich sah sie auch zum letzten Male. Es ist wohl keine Beleidigung der Mogulswürde, anzuneh- men, daß sie in den Eingeweiden der Richter als Honorar für ihre Mühen landete. Sie war nicht gestohlen, nur ge- tauscht. Da es sich um Heeresgut handelte, rettete mich diese Aussage vielleicht vor dem Strick. Wenn sie auch bemüht waren, mir aus der roten Grammatik einen neuen zu drehen, es was nur ein papierner, den ich zu zerpflücken trachtete mit dem Hinweis, darauf, daß ich ein großer Sprachenfreund sei— sieben hätte ich bereits intus, ich sei nun dabei, die achte und die neunte zu lernen; die neunte, das sei eben die russische. Mogul und Obermogul ließen zunächst das T’hema, auf dem sie sich nicht ganz sicher zu fühlen schienen, fallen; wie ein gewandter Staatsanwalt strickte indessen der erstere eine Masche, in welcher er mich doch zu fangen gedachte:„Sag’ einmal, hast du ‚nicht gewußt, daß Tauschen verboten ist?“ fragte er mit der taschen- spielerischen Gewandtheit eines Winkeladvokaten.„Nein!“ antwortete ich schnell und ahnte nicht, in welche Falle ich gegangen war, welche Waffe ich damit dem Mogul in die


