Teil eines Werkes 
2 (1946) Fünf Minuten vor Zwölf : des ersten Jahrtausends letzte Tage unter Herrenmenschen und Herdenmenschen ; Dachauer Tagebücher des Häftlings Nr. 16921 / K. A. Gross
Entstehung
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FÜNF MINUTEN VOR ZWOLF

Weiter kam er nicht mehr; er wurde sofort in den Bun­ker abgeführt, wo er Zeit fand, über die Aussichten nach­zudenken, die Bekehrungsversuche bei den Herrenmenschen haben, selbst wenn sie von Komplimenten begleitet sind.- Er konnte von Glück sagen, daß die angedrohten 25 nicht auf ihn niedersausten. Früher hätte ihn der titanische Versuch, als Nummer soundsoviel der Herrenkaste was am Zeug zu flicken, das Leben gekostet. Die alten Lagerhasen sagen ja, Dachau sei gegen früher das reine Sanatorium. Na, Sanatorium ich danke! Die alten Quälereien sind abgeschafft, aber neue sind an ihre Stelle getreten. Oder ist es nicht eine wahre Folter, Menschen wie Wollballen zu­sammenzustopfen, daß sie kaum mehr atmen können und halb verrückt werden von den gegenseitigen Übergriffen? Die SS schlägt nicht mehr, nein; dafür holt sie uns bei Nacht und Nebel fort zum Vergastwerden; und um sich vor der Welt die Hände nicht schmutzig zu machen, hat sie sich menschliche Automaten als Gummiknüppel abgerichtet, die uns mit Ohrfeigen, Fußtritten und Nierenstößen knockout zu schlagen wissen.

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