NEUJAHR 1945 UND WAS NACHHER KAM 47
Aufgabe, die das Bestehen dieser altertümlichen Einrichtung der menschlichen Natur wohl rechtfertigt.
30. Januar 1945.
X., den wir den Mexikaner nennen, weil er einen Teil seines Lebens als sogenannter Kulturprofessor in Mexiko zugebracht hatte, wo er den Menschen und seinem eigenen Geldbeutel durch ein Licht- und Luftbad zu helfen suchte, ist aus dem Bunker zurückgekehrt, wohin er urplötzlich abge- führt worden war. Es verhielt sich, wie wir vermutet hatten: seine Schreiberei ist sein Unglück gewesen. Er hatte an den Lagerführer einen Brief geschrieben in der Absicht, ihn von der Haltlosigkeit der Hitlerei zu überzeugen. Als An- laß zur Bestrafung nahmen sie den Ausdruck„Unter- menschen“, den er unter anderen gebraucht hatte, allerdings nicht um die Übermenschen, sondern um uns Herden- menschen damit zu bezeichnen. Wie er zu diesem Worte käme?— Nun, weil die Häftlinge eine Behandlung er- führen, als ob sie nicht Menschen, sondern Untermenschen wären. Da war Feuer im Dach. Wieso das? Wie könne er das behaupten? Der Mexikaner kniff nicht, alle Achtung! Wenn man Menschen, führte er aus, aus ihren Berufen, darin sie Tüchtiges geleistet hatten, aus dem ihnen gemäßen Erdreich herausreiße und in einen Steinboden verpflanze, wo sie nichts nützten, sondern elend zugrunde gehen müßten, so habe man sie als Untermenschen behandelt statt als Menschen. Er habe viele Völker kennengelernt und unter ihnen ge- lebt, aber nirgends sei ihm widerfahren, was er hier erlebe und das von seinen Landsleuten.„Ich lasse Ihnen 25 auf den..... geben!“ fiel ihm wütend der Lagerführer ins Wort, der eine solche Sprache nicht gewöhnt war; doch, unglaublich, der Häftling hielt noch nicht den Mund, son- dern überschrie den Schreihals um ein Erkleckliches:„Da haben wirs ja, so springt man nur mit Untermenschen um.“


