Teil eines Werkes 
2 (1946) Fünf Minuten vor Zwölf : des ersten Jahrtausends letzte Tage unter Herrenmenschen und Herdenmenschen ; Dachauer Tagebücher des Häftlings Nr. 16921 / K. A. Gross
Entstehung
Seite
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NEUJAHR 1945 UND WAS NACHHER KAM

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Das Malheur mit den Paketen trifft viele deswegen be­sonders hart, weil mit den Paketen so mancher andere Vor­teil wegschwimmt, der mit ihm verbunden war. Die Pakete waren gewissermaßen Eintrittskarten für einen gehobenen Stand, der allerlei Vorrechte bot; du wogst soviel, wie dein Paket wog, und je größer dein Paket, desto größer dein Ansehen bei den Stubenbehörden und Capos. Das fällt von Stund an alles weg, die Waagschale steigt, während die der Ausländer sinkt, da das Rote Kreuz nach wie vor seine Pakete befördern darf.

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Trotz allem ich bin jetzt froher als je in meinem Le­ben, weil ich freier, ja recht frei bin: was der Knabe er­träumte, der Jüngling vergebens ersehnte und der Mann in heißem Ringen zu erkämpfen suchte, ohne es zu erlangen, das ist mir jetzt aus Gnade in den Schoß gefallen: die innere Freiheit, der Sieg über meine Sünde. Mag auch mancher aufs Irdische gerichtete Wunsch unerfüllt bleiben, mag mir die Sehnsucht nach äußerer Freiheit nie mehr ge­stillt werden ein Meer von Friede durchströmt mein Ge­müt, und der Glaube an den Sieg läßt auch das Schwerste getrost ertragen.

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Neue Verlegereien aus einer Stube in die andere, vom einen Block zum andern machen unser Leben sauer. Diese ewige Unruhe! Kaum hast du dich irgendwo eingewöhnt und mit einigen angefreundet, so mußt du schon wieder das Bündel packen, und der alte Tanz fängt von neuem an. Aber das ist alles raffiniert ausgeklügelte Absicht. Wir sollen immer in Unruhe bleiben, es sollen sich keine festen Beziehungen bilden, mag auch die Arbeitskraft drunter lei­den. Was nützen die kräfteschonenden Erlasse der Abtei­lung A, wenn die Geheimbefehle der Abteilung D das Ge­genteil anordnen!

Der Knabe Hiob wollte schon in die andere Welt über­siedeln, wo ihm der Buckel kein Beschwer mehr macht,