34 FÜNF MINUTEN VOR ZWOLF
auf den Schrank, der sie barg, und hätten ihn ganz gern möglichst nahe bei ihrer körperlichen Gegenwart gesehen. Dazu barg er auch ihre Kleider und Mäntel, alles Stücke in dem edlen Zebrastile, welcher nur noch wenigen Lager- insassen zu eigen war, während er bei den meisten von den häßlichen Zivilkleidern abgelöst worden war. Freilich bedachten sie nicht, daß gerade die Ausdünstungen dieser Uniformen es waren, die dem Übermenschen in die Nase stachen und ihn zur Verzweiflung brachten, dieser Arme- leutegeruch, dieser unerträgliche! War es ein Wunder, wenn sie nicht selbst Hand anlegten, um das ehrwürdige Möbel in die unteren Regionen zu befördern, sondern in Seelen- ruhe abwarteten, bis es dem Obmann gefiel, die Beisetzung vorzunehmen? War es ihnen übelzunehmen, wenn sie sich insgeheim darüber freuten, daß es dieser nicht sehr eilig hatte, und daß sie mit stiller Wehmut die geächteten Düfte weiter einatmeten und es solange zu tun gedachten, als es der unterirdische Kampf nur immer zuließ? Aber heute hat er nun doch nachgeben müssen, der alte behäbige Schrank, und die Buchhaltung selbst nahm ihn wie einen ungeheuren Sarg auf die Achseln, schleppte ihn zu den Unterirdischen und setzte ihn in der Nähe des Riesenofens bei. Unsere Herzen waren noch schwerer als das gute alte Monstrum,
aber die übermenschliche Nase hat nun Ruhe vor dem:
Sklavenduft, und das ist die Hauptsache. Abends.
Wladimir, der Polenkünstler, sitzt im Bunker, angeblich weil er einen Brief nach dem Mädchenblock„M 31“ ge- schmuggelt hat.„Ihr laßt den Armen schuldig werden, dann überlaßt ihr ihn der Pein!“ So sind jene Gewissen- losen mitschuldig an allen Giftgasen, die aus diesem Sumpf aufsteigen, jene sogenannten Lagerführer, die zu Verfüh- rern Ungezählter wurden, als sie den Block 3r mit jenen ersten unglückseligen Geschöpfen füllten.—


