LETZTE WEIHNACHT IM KZ
23 Lunge, einen Wirrwarr sonstiger Mittel in Fläschchen, Tuben und Schächtelchen für den Buckel und das, was heilbar drunter ist— für das Leckermäulchen aber feinen Zucker, Kandisbrocken und die süßesten Brötchen, die je in Leipzig
gebacken worden sind. Was tat aber Freund Hiob , der Lei- densreiche und Zuckerarme?© Schwester, die du deine Gaben mit soviel Mühe gehamstert, gebacken, gepackt und abge- schickt hast, schließe Augen und Ohren vor dem leichtsin- nigen Tun des Unverbesserlichen: so wie sie ihn hierher- brachten und in Sachsenhausen halbtot schlugen, weil er seine Brotmarken mit einem— ja es muß gesagt sein— Juden teilte, so steckte er noch während des Auspackens die besten Plätzchen und die größten Brocken den umstehenden Gaffern in den Mund, denn er kann nun einmal nicht leben, ohne den Mitmenschen etwas in den Mund zu stecken. Bis ich eine solche sich selbst vergessene Güte auch an den eigenen Herrn erinnerte und ıhr fast zornig zurief:„Nun hör aber auf und steck was in den eignen Mund!“ Was half’s? Er suchte mich zu bestechen und mir den Mund mit einem fein- duftenden Vanillebrötchen zu stopfen. Ich ließ es indessen nicht zu, sondern führte das unmoralische Geschenk zwi- schen seine eigenen Zähne, so daß es endlich an die rechte Stelle kam.


