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LETZTE WEIHNACHT IM KZ
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sie an ihm fest, Mutter- und Schwesternstelle an ihm vertretend. Hoch klingt das Lied von den braven Nachbarn!
Auch Angelika, die liebe Schwester, hat ein Päckchen angekündigt. Welche Mühe es freilich kostet, bis es zum Absenden kommen kann, davon machen wir uns hinter dem Stacheldraht keine Vorstellung: als sie glücklich die nötigen Apfel und Kuchen beisammen hatte und packen wollte, war im ganzen Städtchen weder Papier noch Schnur zu haben. Trotzdem wurde ein Paket draus; doch o weh, nun weigerte sich die Post, es abzunehmen. Ist es ein Wunder, daß da Tränen flossen? Ja, die draußen" haben auch ihre lieben Nöte, und manchmal will es mich bedünken, daß sie nicht kleiner wären als die unsrigen. Wir sind wenigstens die Sorge derer los, die stets mit einem Fuße im KZ stehen nein, diese Sorge ist unsereinem ein für alle Male abgenommen; wir stehen mit beiden Füßen drin!
29. Dezember 1944. Langsam, langsam sickert das letzte Blut aus den Adern des zu Ende gehenden Jahres.
Lautlos fällt der Schnee auf unsere Dächer, reizend muß Dachau jetzt aussehen, das Hügelstädtchen, wenn seine Häuserchen, sein Schloß und seine Kirche mit einem weißen Mantel überzogen sind. Schade, daß unser Horizont so eng ist: nicht einmal Dachau kommt uns zu Gesicht, wenn wir unsern Weg zum Porzellan und zurück ins Lager marschieren -nichts als langweilige Kasernen und ein paar rechteckige Bauten statt in Barock im Barackenstil.
Über den Knaben Hiob ist ein neues Unglück hereingebrochen: aus seinem Spind war sein Brot gestohlen worden, und sie wahrscheinlich die Diebe konnten es
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nicht erwarten, bis er die Entdeckung selber machte, sondern unkten ihm die Hiobskunde zu, als er kaum die Türe geöff
net hatte. Wirklich, die Stelle war leer, wo das Viertel ihm


