,, Sehn Sie", sagte er ,,, diese Astern hab ich auf dem Hof dieses Hauses gepflanzt. Es ist kein Garten da und kein Fleckchen Erde , das sich zur Gärtnerei eignet. Und trotzdem hab ich dem steinigen Hof diese Blumen ent­lockt. Ist es nicht schön?"

15

Rada fuhr nach Hause. Er hatte kein leichtes Herz, aber ihm war seltsam froh zumute. Er wußte, daß sein Leben von morgen an gefährdeter sein werde als das Leben eines Soldaten, der in der vordersten Feuerlinie steht; trotzdem war ihm, als ob er wie durch ein Wunder zu einem neuen, reicheren Leben erweckt worden wäre. Ihm war, als ob er von den Toten auferstanden wäre. Es wurde ihm bewußt, daß er blind und taub gewesen war und endlich nach langer Zeit wieder sah und hörte. Er sah die Menschen an, die er lange Zeit nicht ange­blickt hatte. Er sah die Brüder und Schwestern, die seit langer Zeit leiden mußten wie er; er hatte ihre Leiden nicht sehen wollen, weil sein eigenes Leid, sein eigenes Unglück ihn von allen Menschen getrennt hatte. Er fühlte zum ersten Male, daß diese Menschen, die gleich ihm leiden mußten, seine Brüder und Schwestern wa­ren. Er sah neben seinen Brüdern und Schwestern die Feinde. Der Anblick der Brüder und Schwestern gab ihm Kraft. Aber auch der Anblick der Feinde gab ihm Kraft.

Hinter dem Nationaltheater stieg er aus. Ein deutscher Offizier und ein SS- Mann gingen vorüber. Sie gingen stolz und selbstbewußt, als ob ihnen die Stadt gehörte. Sie gingen, als ob ihnen die Welt gehörte. Sie gingen,

114