K. WALTER
PASSIONSANDACHT
am 14. März 1945
( In den sieben Passions predigten des Jahres 1945 wurde jedesmal über ein Kreuzeswort gepredigt.)
Johannes 19, v. 28-29:
,, Danach, da Jesus wußte, daß schon alles vollbracht war, daß die Schrift erfüllet würde, spricht er: Mich dürstet. Da stand ein Gefäß voll Essig. Sie aber füllten einen Schwamm mit Essig und legten ihn um einen Ysop und hielten es ihm dar zum Munde."
Man hat wohl zur Frage gestellt, wann das Leiden des Herrn eigentlich seinen Anfang genommen habe: ob in den Augenblicken, da man die Nägel durch seine Hände und Füße schlug, oder da man ihm die Dornenkrone aufs Haupt drückte, und da die ersten Geißelhiebe seinen Leib trafen; ob bereits in seinem blutigen Schweiß, und Todesgrauen in Gethsemane der Beginn seines Leidens gesehen werden müsse oder auch noch viel früher:( menschlich geredet) in der großen Enttäuschung, die er erfuhr, als viele seiner Jünger hinter sich gingen und hinfort nicht mehr mit ihm wandelten.
Nein, in Wirklichkeit müssen wir viel, viel weiter zurückgehen, wenn wir den Beginn des Leidens Christi suchen. Sein Leiden begann in der Stunde, da auf Erden Wahrheit wurde, wovon geschrieben steht: ,, Das Wort ward Fleisch." Daß das Wort Fleisch ward, Gottes ewiges Wort, daß Gott sich herniederneigte zu dieser armen Erde, daß er sich selbst entäußerte und Knechtsgestalt annahm, daß Er, Gott selber, Mensch ward und in unser menschliches Wesen einging, in unsere Schwachheit, in unsere Versuchlichkeit, in unsere Krankheit und Schmerzen, in unser Hungern und Dürsten, in unser Müdewerden und Mattsein, in unser Zürnen, unser
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