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Das aufgebrochene Tor : Predigten und Andachten gefangener Pfarrer im Konzentrationslager Dachau / Vorwort und Herausgeber: Martin Niemöller
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Liebe Freunde! Bedenken wir immer, worauf wir war­ten, wenn wir als Christenmenschen wirklich warten? Daẞ Gott kommt, darauf warten wir! Abgeholt und mitgenom­men zu werden in den Hochzeitssaal des Himmels Gottes, darauf warten wir! Und da gibt es ja nun kein müdes, lässiges, müßiges, dumpfes Warten, sondern nur ein höchst waches, ein von heller Gewißheit erfülltes Warten. Da muẞ jede Stunde unseres Lebens des Wartens voll sein; denn jede Stunde kann ja der Herr kommen. Das Warten auf den Herrn ist ein Warten in steter Bereitschaft, die Lenden ge­gürtet und die Lichter brennend, jede Stunde gewärtig, daß der Herr kommt und anklopft, uns abzuholen.

Liebe Brüder, ist das nicht einfach zu viel verlangt von einem Menschen? Kann denn der Mensch sich dauernd in einer solchen seelischen Hochspannung halten? Und hat der Christenmensch nicht auch seine Pflichten und Aufgaben in dieser Welt und an dieser Welt?

Ach, das Warten auf den Herrn Christus ist ja nicht Weltflucht, ist nicht Abkehr von dieser Welt, sondern ist Hinkehr zum Herrn, ganzes, volles, entschlossenes Hinge­wendetsein zu ihm mitten in allen Pflichten und Aufgaben dieses Lebens. Die Liebe zum Herrn hindert uns nicht an der Erfüllung unserer Pflichten. Der Landmann setzt seinen Pflug in das Erdreich ein und pflügt die Furche immer dicht vor seinen Füßen; aber sein Blick geht weit hinaus, bis ans Ende seines Feldes, da will er hin mit seiner Arbeit. Auch unsere Schritte gehen durch die Mühe und Arbeit und Pflichterfüllung dieser Erde; aber wir wissen, daß das Ende nicht kurz vor uns unter unseren Füßen liegt, sondern in der Ferne Gottes, die er durch die Sendung seines Sohnes jeden Augenblick zur Nähe, zur Gegenwart machen kann. Und darum erheben wir unsere Häupter von dem Staube

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