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Das aufgebrochene Tor : Predigten und Andachten gefangener Pfarrer im Konzentrationslager Dachau / Vorwort und Herausgeber: Martin Niemöller
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hin, weil sie ihre Pflicht gegen Gott und die Kirche treu erfüllt hatten oder weil sie als Geiseln festgehalten wurden. Die Lage der Geistlichen besserte sich Ende 1942, als allgemein zum ersten Mal Paketsendungen an die Gefan- genen erlaubt wurden. Die Todesfälle bei denen, die Pakete bekamen(und das war fast bei allen Geistlichen der Fall), wurden weniger. Aber bis in die letzten Tage war schwer erträglich die Enge des Raumes. Auf 5 Mann kam durch- schnittlich ein Bett, auf 5 Mann ein Hocker und auf 7 Mann ein schmales Spind. Die meisten älteren Geistlichen, die in Dachau waren, vor allem die zwischen 70 und 80 Jahren waren, sind den furchtbaren Strapazen erlegen. Gefürchtet war noch im Jahre 1942 der Zählappell, der am Morgen und am Abend auf dem Apellplatz stattfand und oft, auch bei der schlechtesten Witterung, stundenlang dauerte. Auch die Kranken und die Sterbenden, soweit sie noch nicht im Revier aufgenommen waren, ja selbst die Toten mußten am Appel teilnehmen. Wer nicht mehr gehen konnte, oder wer inzwischen gestorben war, mußte von den Kameraden getragen werden, und erst nach dem Appell konnten die Toten dem Krematorium übergeben werden. Die Strafen selbst für geringfügige Übertretungen waren schrecklich. Im Jahre 1940 hatte ein Geistlicher einen Entwurf eines Marienaltares in der Tasche, was verboten war. Er bekam dafür 25 Doppelschläge mit dem Ochsen- ziemer, eine Stunde Aufhängen an den Armen und ein Jahr Strafkompanie. Ein anderer hatte während der Arbeitszeit geraucht. Er wurde eine Stunde an den Armen aufgehängt, wovon er sich jetzt nach drei Jahren noch nicht ganz erholt hat. Ein anderer hatte seine Zahnbürste nicht ganz sauber gehabt. Dafür mußte er eine Stunde hüpfen und rollen, was bei Herzschwachen oft den Tod zur Folge hatte. Andere

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