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Männer persönlich kennen: August Bebel , Wilhelm Liebknecht , Hasenklever, von Vollmar, von Elm u. a. Die häufigen polizei­lichen Haussuchungen empfand bereits der kleine Junge als ständige Bedrohung. Den stärksten Eindruck auf ihn machte aber die Verhaftung des Vaters am Heiligen Abend. Vom bren­nenden Tannenbaum weg schleppte man ihn ins Gefängnis. Aber Vater Lienau erlebte auch wieder den Aufstieg seiner Partei. Bereits 1889 durfte er als Delegierter am 1. Inter­nationalen Sozialisten kongreß in Paris teilnehmen. Neumünster wählte ihn später zum ehrenamtlichen Stadtverordneten- Vor­steher neben seinem Amt als Rendant.

Heinrich Lienau trat früh der Sozialdemokratischen Partei bei und schrieb für das Hamburger Echo" eine Reihe po­litischer und feuilletonistischer Beiträge; mehrere Jahre war er auch Mitglied der Pressekommission des Parteiblattes. Da er auch als Redner begabt war, wurde er schon 1903 zu den Reichstagswahlen als solcher viel eingesetzt.

Manche Lücken in seiner Schulbildung erkennend, war er von jeher eifrig bemüht um seine Weiterbildung. An der neu­gegründeten Universität Hamburg ließ er sich als Gasthörer für Germanistik und Volkswirtschaftslehre eintragen. So kam bald in persönliche Beziehungen mit dem verstorbenen Pro­fessor Conrad Borchling. Später setzte der Dichter seine Studien in Münster und Kiel fort. Da er das Dänische fließend beherrscht, fiel es ihm auch nicht schwer, an der Universität in Kopenhagen nordische Literatur und aus geschäftlichen Gründen Biologie zu hören. In die Reihe seines häufigen Aufent­halts in Dänemark , seiner Besuche in Schweden und Norwegen fällt auch die Bekanntschaft mit vielen skandinavischen Schrift­stellern, Wissenschaftlern und führenden Persönlichkeiten des politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Lebens.

Während der Hamburger Jahre blieb aber immer die Dicht­kunst seine heimliche Liebe. Er kam in diesen Jahren auch mit den Männern in persönliche Verbindung, die der Kauf­mannsstadt zeitweilig den Ruf einer Musenstadt einbrachten: Detlef von Liliencron, Richard Dehmel , Gustav Falke und Otto Ernst. Da Heinrich Lienau nicht nur Plattdeutsch liebte, son­dern auch allerlei Arbeiten in dieser alten Sprache veröffent­lichte, lernte er auch eine Reihe niederdeutscher Dichter näher kennen: Fritz Stavenhagen, Johann Hinrich Fehrs , Gorch Fock , Hermann Boßdorf , Georg Semper, I. C. Stülcken( Peter Werth) und den Begründer der Niederdeutschen Bühne in Hamburg Richard Ohnsorg .

In den Jahren 1920-1922 schrieb er für das Ernst Drucker­Theater( heute St. Pauli- Theater) zwei Lokalpossen: ,, Der Ober­schieber" und ,, Gottlieb Pommerenke", die zahlreiche Auffüh­rungen erlebten.

Dann verließ Heinrich Lienau Hamburg und siedelte nach Sylt über, das er nach kurzer Zeit wieder verließ, um sich in Flensburg niederzulassen. Hier eröffnete er zunächst eine kaufmännische Firma, aus der später die Biovis- Werke hervor­gingen. In den nächsten Jahren widmete er seine ganze Ar­beitskraft diesem aufblühenden Unternehmen. Seine einzige

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