Druckschrift 
Zwölf Jahre Nacht : mein Weg durch das "Tausendjährige Reich" / von Heinrich Lienau
Entstehung
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gruppen an: Männer und Frauen, auch Kinder darunter. Jeder trug auf der Brust eine Nummer und ein farbiges Dreieck. Wer sind denn diese verhungerten Menschen? Scheu wurde gefragt, wer sie seien und woher sie kämen. ,, Aus dem Kon­zentrationslager", war die Antwort. Das war für viele kein Begriff und es bedurfte einiger erläuternder Worte, um der Bevölkerung klar zu machen, daß es sich um Menschen handle, die jahrelang unter den furchtbarsten Leiden und Lebens­bedingungen schlimmer wie Sklaven hätten durchhalten müssen.

Es wurde dämmerig, und Müdigkeit überkam die Konzen­trationäre, die des Marschierens nach langer Inhaftierung un­gewohnt, sich am Straßenrand niederließen. Wer noch ein Kochgeschirr bei sich hatte, nahm Wasser aus dem nächsten Brunnen und konnte sich über einem Strohfeuer etwas Warmes herrichten. Einige Feldscheunen boten für einen Teil der Wan­dernden notdürftige Unterkunft; der Rest kampierte unter Bü­schen und Sträuchern und am Wegerand. Halb erstarrt weckte sie dann wieder ein naẞkalter Morgen.

In einem Gestrüpp hatte eine Schar Mütter mit kleinen Kindern die Nacht verbracht mit dem Erfolg, daß einige Säug­linge während der Nacht erfroren oder verhungert waren. Die Mütter hatten nicht Zeit zum Trauern; nur wenige Minuten standen ihnen zur Verfügung, um hinter dem Wall eine kleine Grube auszuheben und die Kinder zu begraben. Dann hieẞ es weiterziehen und die letzten Kräfte zusammennehmen, um selbst nicht am Wege liegen zu bleiben. Schwäche bedeutete den Tod; den Tod durch Erschöpfung oder durch die Kugel. eines begleitenden SS- Wachtpostens.

Der Hunger meldete sich. So wenig wie für hinreichende Unterkunft gesorgt war, ebenso wenig war für die Verpflegung Vorsorge getroffen worden. Um nicht zu verhungern, waren die Konzentrationäre genötigt, die Kartoffelmieten der Bauern zu plündern- Not kennt kein Gebot. Die an den Wegrändern liegenden abgenagten Skelette der vor Erschöpfung und Futter­mangel umgefallenen Pferde und Kühe der mitziehenden Flücht­linge aus dem Osten zeigten an, daß diese gleichfalls mit zur Stillung des Hungers der westwärts Wandernden nötig waren. Die wenigen Ruhepausen während der langen Wandertage dien­ten zum Requirieren von Feldfrüchten, Baumrinden und Wur­zeln bzw. Kräutern, mit denen das Leben gefristet werden mußte. Ein schnell hergerichtetes Feuer, genährt von dürrem Holz, brachte zwar diese zweifelhaften ,, Nährmittel" nicht zum Kochen, aber sie wurden doch erwärmt. Noch während des wiederbegonnenen Marsches mußte das halbgare Gericht hin­untergeschlungen werden.

uns

Am Morgen des zweiten Wandertages bot sich uns ein furchtbares Bild. An den Wegrändern und Gräben lagen die Leichen von Häftlingen; ein flüchtiger Blick belehrte darüber, daß sie durch Genickschüsse dahingestreckt waren. Schwache Leute, die den Marschstrapazen nicht mehr gewachsen waren, und deshalb von den SS - Henkern unterwegs eine Kugel bekommen hatten. Wie die Wölfe auf billige Beute wartend, den Herden nachziehend, so die SS - Henker mit der Maschinen­

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