Sachsenhausen zurücktransportiert und mußten in der SK Schuhelaufen. Ihre Behandlung war hart; denn der Lager- führer Kolb hatte eigens dem Vorarbeiter der ‚Schuhläufer- Kolonne, Wilhelm Jakob, einem ehemaligen fahnenflüchligen SA -Mann, aufgegeben, keine Rücksicht gegenüber den Luxem- burgern walten zu lassen. Jede Erleichterung in der SK wurde ihnen versagt, selbst die Krankenbehandlung, insbesondere das Verbinden der zerschundenen Füße,:

Menschenschändung, Entwürdigung der Wehrlosen war überall das Hervorstechendste der Sadisten, die keine Menschenrechte kannten. Sie machten keinen Halt vor Kindern und Greisen; was ihnen in die Finger geriet, wurde erbarmungslos von den Vertretern dieser Herrenrasse niedergemacht. Erwähnenswert wären noch die Befehle über Höflichkeitsbezeigungen vor der SS. Nur entblößten Hauptes konnten die Häftlinge passieren. Überall hieß es:Mützen ab. Der Lagerführer Suhren gab eines Tages den Befehl heraus, eine Schneise als Scheitel durch das Kopfhaar in der Breite der Haarschneide-Maschine zu ziehen. Etwa ein Jahr lang war dieseSuhren-Allee gang und gäbe. Als Suhren nach Ravensbrück versetzt wurde, konnte das Haupthaar dieSuhren-Allee wieder überwuchern. Im übrigen sei noch erwähnt, daß alles beim Haarschnitt an- fallende Haar gesammelt und abgeliefert werden mußte. Die Häftlinge hatten faktisch Haut und Haare zu opfern.

Sine Rücksichtnahme auf das Alter oder die gesellschaft- liche Stellung kannten die Nazis bei Inhaftierungen ganz und gar nicht. Überall vertraten sie ihren Herrenrasse-Standpunkt, weshalb an dieser Stelle auch des alt-ehrwürdigen Prälaten Orier aus Esch in Luxemburg gedacht werden soll, der: 1942 als Einzelgänger ins Lager kam. Die. Häftlinge der Politischen Abteilung trugen bei seiner Einlieferung dafür Sorge, daß dieser kranke und gebrechliche Greis sofort im Krankenbau aufge- nommen und dort von den als Pfleger tätigen politischen Ka- meraden behandelt und verpflegt wurde. Bei dem späteren Ab- transport in ein weiteres Lager, wohin man, den größten Teil der Geistlichen brachte, ist auch Prälat Orier ein Opfer der Herrenrasse geworden.

Im Großherzogtum Luxemburg , dessen Bevölkerung ‚sich gegen die Herrenrasseherrschaft wehrte und geheimen Wider- stand leistete, wurden am 3. September 1942 neun Luxemburger vom Standgericht zum Tode verurteilt und erschossen, wie durch unseren Geheimdienst im Lager bekannt wurde. Deren Namen sind: Betz, Bruck, Kons, Lommel , Meieps, Schneiger, Toussaini und Weets. Aus dem kleinen Ländchen Eupen -Mal- medy wurden Einwohner, darunter der Bürgermeister, am 2. 10. 1940 ins Lager gebracht, wo dieser am 30. 11. 1940 verstarb, da sie den Bestand des Dritten Reiches gefährdeten. Ja, ja, die Herrenrasse hatte Sorgen,

Die Rassenfrage war das A und© der Herrenrasse, und doch hatte die Welt gar bald durchschaut, daß die Nürn- berger Gesetze nur geschaffen waren, die Juden rechl-, besitz- und heimatlos zu machen, um sich selbst durch deren. herren- los gewordene Besitztümer mühelos unter dem Schein eines

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