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Zwölf Jahre Nacht : mein Weg durch das "Tausendjährige Reich" / von Heinrich Lienau
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sinn und Liebe zum Vaterland!" Hierbei sei zu bemerken er­laubt, daß neben der Baracke, die das Wort Freiheit trug, der Weg zum Krematorium auf den Industriehof führte.

Wer nun etwa glaubte, daß die braune Bande mit den auf­gezeichneten Tugenden voranging, irrte; auf ihrem Panier stand geschrieben: Faulheit, Sadismus, Verlogenheit, Schweine­rei, Betrug, Rechtsbruch, Diebstahl, Suff, Schwelgerei, Mord und der Hang zur Sittenlosigkeit. Dieser Katechismus des brau­nen Gangstertums wurde den ,, Hohen Besuchern" allerdings nicht offenbar; denn während der Zeit des Besuches hatte sich die SS im Lager reserviert zu verhalten.

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Unter Führung des Lagerkommandanten Besuch" kam wurde nach Passieren des Tores ein kurzer Halt gemacht und dem Besuch so einige Erläuterungen ge­geben, insbesondere über die paar Sünder, welche am Tor standen, aus Gründen, die sie selbst nicht kannten. Also er­klärte der Lagerkommandant Loritz: ,, Diese Häftlinge hier sind unverbesserliche Radiohörer" und zu den Häftlingen ge­wandt: ,, So, macht, daß Ihr auf Euren Block kommt, da könnt Ihr weiter hören!" Und nun wieder zu den Besuchern: ,, Sie sehen, meine Herren, die Häftlinge gehen nicht! Sie sind selbst zu faul trotz der Kälte( es war Wintertag) die vor ihnen lie­genden Mäntel anzuziehen. Ja, wenn sich die Häftlinge in den Baracken befinden, sind sie zu faul, um sich ein Feuer im Ofen anzulegen!"

Sofern sich einer der Besucher etwa erlaubt haben sollte, den Häftling selbst zu fragen, so wäre ihm keine Antwort ge­worden; denn eine Erklärung wegen seines Aufenthalts am Tor usw. wäre ihm teuer zu stehen gekommen, zumindest Prügel oder SK. Daß sich kein Häftling freiwillig ans Tor stellt, um das Radio von der Blockführerstube zu hören, freiwillig bei bitterster Kälte seinen Mantel ablegt und im Block friert, ob­wohl Feuerung genug vorhanden ist, wußte jeder und vor allem der Kommandant. Allen war bewußt, welche Strafe ihnen blühte, wenn sie sich vom Tor entfernt, den Mantel angezogen und die Wohnbaracke geheizt hätten.

War beim Eintritt des Besuches Appell, so ging Loritz mit ihm von einem Block zum andern, um in loyaler Weise an einige Häftlinge Fragen zu stellen. Zuerst zu einem Block der Kriminellen( BV). Frage an einen vielleicht ihm schon be­kannten BVer: Wieviel Vorstrafen?" ,, 28." - ,, Warum be­straft?" ,, Vierzehn Mal wegen Diebstahl und Hehlerei, achtmal wegen Betrug, dreimal wegen Urkundenfälschung, zweimal Haus­friedensbruch und einmal wegen Widerstand." Als der daneben­stehende BVer nach seinen Vorstrafen gefragt wird, gab dieser wahrheitsgetreu die Antwort, daß er keine Vorstrafen habe. ,, Dann wird es Zeit, daß Sie eine bekommen" war die Ant­wort des Kommandanten.

Noch einige BVer und daneben einige Asoziale, die wegen Betteln und Landstreicherei Vorstrafen von kurzer Dauer hatten, wurden befragt und befriedigt lächelnd zu dem Besuch ge­wendet, sagt ihnen Loritz: ,, Sehen Sie, die hier werden anders, denn hier werden sie zu brauchbaren Menschen erzogen. Es sind lauter Spitzbuben und Taugenichtse. Aber hier werden

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