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Kampf um den Kopf : meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943 - 1945 / Gerhard Schultze-Pfaelzer
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das Palais schon zum braunen Gerippe gebrannt; hier hatte Herr Himmler als der Satansgeist über den Greuelkellern residiert, bis ihn die Rache aus der Höhe vertrieb.

,, Schade", sagte der Kommissar, als wir vor der gespensti­schen Gartenfassade standen. ,, Macht aber nix, es gibt noch genug Schlösser in Europa , die wir zur Vergeltung ausräumen können. Und nun schießen Sie endlich los! Wie war das mit der Denkschrift für Stockholm ?".

Sonst hatte er Woche für Woche oben im Hauptbau vier Treppen hoch in der ungemütlichen Abteilung vier, den Unter­suchungsbüros für Hochverrat, mich mit seinen drastischen Vernehmungen vergeblich gezwackt. Diesmal versuchte er es auf die ,, süße Tour", weil die Kellerhäftlinge von der prickeln­den Luft beim ungewohnten Spaziergang meist gesprächig wurden.

Auch ich begann zu erzählen, ja sogar zu schwatzen, aber durchaus nicht das, was er wissen wollte. Ich erzählte von einem Festabend im Albrecht- Palais, den ich vor fünfzehn Jahren mitgemacht hatte. In der Halle zwischen den denkmals­hohen Porzellanvasen vor der strahlenden Bronzegalerie emp­fing uns König Amanullah von Afghanistan, der mit Familie und Hofgefolge dem Deutschen Reich einen Staatsbesuch machte und hier mit blitzender Agraffe an der Stirn residierte. Wir hatten herausbekommen, daß der mohammedanische König nach dem Ritus des Landes eine jüngere Schwester der Königin als Nebenfrau gefreit hatte, was aber bei den Besuchen in Europa streng verschwiegen wurde. Natürlich fanden wir die Nebenfrau besonders faszinierend.

Um jetzt meinen Kommissar für die Stunde Parkluft zu honorieren und ihn von gefährlicheren Themen abzulenken, er­zähle ich ihm auch diese Pikanterie. Er betrachtet das Ge­schichtchen mit bevölkerungspolitischer Sturheit und meint, nach den großen Männerverlusten möchte er ein solches Ver­fahren auch in Deutschland nach dem Kriege als Beitrag zum Wiederaufbau empfehlen.

Zunächst haben wir nun aber erst mal gründlich abgebaut; nicht nur Amanullahs Glanz ist dahin, auch das düstere Sicherheits- Reich des Herrn Kaltenbrunner ist verblichen.

Nun bin ich also gleich nach meiner Heimkehr ins alte, geliebte Berlin die fünfhundert Meter der Prinz- Albrecht­Straße ein paarmal hinauf und hinab geschlendert. Und immer, wenn mein Fuß an der heute so öden Nr. 8 vorbeikommt, stockt

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