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Kampf um den Kopf : meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943 - 1945 / Gerhard Schultze-Pfaelzer
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Er deutet mit der Hand nach einer dunkel getönten Plastik auf dem Bücherschrank. ,, Das ist ein solcher Fall."

Die Büste hatte ich längst bemerkt und beliebäugelt. Ich gehöre zu den Leuten, die man in Künstlerkreisen die Kopf­jäger nennt. Das Studium des menschlichen Antlitzes in der künstlerischen Nachbildung ist mein Steckenpferd. Die ,, mensch­liche Landschaft", wie ich den Kopf zu nennen pflege, finde ich viel reizvoller als den Akt und das Genre. Darum hatte ich mit dem eindrucksvollen Kopf sogleich verstohlene Zwiesprache gehalten.

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So kann ich also gleich als Kunstrichter losdozieren, was mir ja so lange von Goebbels verboten war. ,, Die Porträtähnlichkeit bei gleichzeitiger Durchbildung des statu­arischen Aufbaus ist ganz vortrefflich. Der Meister hat sich zu allem übrigen auch noch eine minutiöse Mühe ge­geben, um Sie bis in den kleinsten Zug zu erfassen und festzuhalten."

,, Nun, er hatte auch genügend Zeit dazu. Ich mußte ihn monatelang beobachten, und da konnte er sich derweilen an meiner Physiognomie schadlos halten. Ja, ich hatte mit ihm in ähnlicher Weise zu exerzieren wie Dr. Büttenberg mit Ihnen. Kennen Sie den Bildhauer M.?"

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,, Nur ganz oberflächlich. Er war doch wohl vor längerer Zeit durch einige größere Staatsaufträge bekannt geworden." , Ganz recht. Das ist er. Ein guter Künstler, aber ein sehr schlechter Soldat. Der Mensch kann eben nicht alles sein. Begreiflicherweise liebte er den Militarismus nicht, sondern erging sich über seine Peiniger in respektlosen Außerungen. Schließlich wollte man ihm wegen Wehrkraftzersetzung an den Kragen. Da flüchtete er in die Psychose und wurde mir vor­geführt. Ich war damals, Beratender' bei der deutschen Süd­armee auf der Krim . Der Fall interessierte mich, vor allem wegen des wertvollen Künstlers, der für die Brutalitäten des Kriegslebens nicht geschaffen war. Wie künstlerische Naturen so oft, besaß er eine völlig labile Konstitution. Er simulierte nicht schlecht, die Rolle lag ihm, sie kam ja seinem phanta­stisch gelockerten Wesen entgegen. Er benahm sich durch und durch hysterisch, und er besaß auch gewisse hysterische An­lagen. Ich habe ihm zuletzt den wirklichen Befund, also auch die absichtsvollen Täuschungsversuche, auf den Kopf zugesagt. Als Laie würden Sie sagen, ich habe ihn, entlarvt"."

,, Bei der Entlarvung hätte ich dabei sein mögen", grinse ich

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