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Kampf um den Kopf : meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943 - 1945 / Gerhard Schultze-Pfaelzer
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Meine Frau erzählt mir, sie ist im Städtchen schon wieder wie früher gefragt worden, ob sie einen Schriftsteller kenne, der auch Schultze- Pfaelzer hieße.

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,, Du weißt noch gar nicht, daß man den Schriftsteller in­zwischen umschulen wollte, ich sollte du rätst es doch nicht also ich sollte Bürstenbinder werden." Sie sieht mich un­gläubig an und erwartet einen Witz.

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,, Im Ernst! Also höre, in der Lehrterstraße hatten wir einen Arbeitsinspektor, der war auf seine Weise ein tiefsinniger Ökonom. Schultze- Pfaelzer, was macht man bloß mit einem Menschen wie Ihnen für den Fall, daß Sie nicht hingerichtet werden! Sie haben rein gar nichts gelernt. Wer aus dem Zuchthaus kommt, kann sich nur noch mit der Arbeit seiner Hände ernähren. Ich rate Ihnen gut, Sie hätten hier Gelegen­heit, das Bürstenbinden zu erlernen. Das lernt auch noch so'n alter, ungeschickter Kerl wie Sie. Viel Handwerkszeug brauchen Sie da nicht. Den kleinen Bindeapparat können Sie im klein­sten Kochkeller aufstellen. Viel springt natürlich nicht dabei raus, aber wenn Sie fleißig sind, langt's sogar noch für' ne Flasche Bier.""

,, Gott ", sagt sie verdutzt ,,, und das hätte uns passieren können!"

,, Nein", widerspreche ich ,,, die Flasche Bier wäre ungetrun­ken geblieben. Unsereins kann wohl unter der Fuchtel ein paar Monate Steine karren, aber nicht zwanzig Jahre freiwillig Bürsten binden. Ich wäre nicht imstande, als eine kleine Ver­geßlichkeit Gottes durchs Leben zu humpeln."

,, Stimmt schon", lächelt sie nachdenklich ,,, aber sag' das nicht so laut, sie halten dich sonst für einen Erzreaktionär."

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..Man wird doch immer wieder falsch taxiert", erwidere ich melancholisch. ,, Da kommt es auf ein Schock Trugschlüsse nicht an. Aber je älter ich werde, desto wichtiger wird mir die Ehrlichkeit vor mir selbst. Nach den zwölf Jahren inmitten von Tarnung und Heuchelei will man um so entschiedener be­kennen. Ich suche jetzt mit einer wahren Wut die Wahrheit."

,, Hoffentlich sperren Sie dich nicht bald wieder ein. Sonst werde ich Waschfrau, das sage ich dir! Auch wenn dir meine Finger hinterher nicht mehr gefallen."

,, Du bist ein tapferes Herz", entgegne ich sinnend. ,, Ich kann vielleicht nur in Gedanken tapfer sein. Mein Mut ist die radikale Bereitschaft zu neuen Einsichten."

,, Na, so groß sind doch die intellektuellen Opfer jetzt nicht

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