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Seid mir gegrüßt, ihr Gipfel, von weißen Wolken, von Segeln der Sehnsucht umwallt! Auf den Höhen weht das Glück, es hatte einmal goldene Locken. Ich wandre bergan den leuchtenden Locken zu. Im Tale hinter mir liegt die Stadt Bayreuth , in bleichen Farben verschwommen, in blauen und kupfernen Tönen zerschmelzend wie Nymphenburger Porzellan. Und seitwärts in der Ferne die verbrannte Spinnerei, die spielt ja Heidel berger Schloß .
Die Wunder des natürlichen Lebens öffnen sich in herrlichen Kreisen. Jede Knospe droben, jedes feuchte Sandkorn darunter glänzt mir die Botschaft zu: wir sind wieder Kinder des Kosmos geworden, wir dürfen wachsen, jubilieren und weinen. Und wenn wir vergehen müssen, wollen wir doch nicht mit Handschellen hinsinken, sondern frei sein wie die Tiere des Waldes und die Götter auf den Gipfeln. Die Masken fallen, wir dürfen wieder die sein, die wir sind.
Die weiten Hängewiesen neben dem Bergpfad sehen so frisch und bunt bezogen aus, als stammten sie aus der Künstlerwerkstatt. von Hans Thoma . Man möchte sich hineinwerfen und mit den Beinen strampeln wie ein kleines Kind. Aber ich habe es eilig, und eigentlich ist mir feierlich zu Mute.
Ja, ich habe heute Feiertag, fünf Stunden Urlaub von der letzten Phase der Gefangenschaft, fünf Stunden Urlaub zum Besuch meiner Frau, die dort oben auf dem Bergkamm, auf der wohlbekannten ,, Forstkultur", im neuen Camp der weiblichen Gefangenen haust.
Seit Tagen werde ich sehnlichst erwartet, und doch wird es für uns beide eine Überraschung sein. Anderthalb Jahre lebten wir zwangsweise nebeneinander her, räumlich nicht weit entfernt, doch getrennt durch schwere Gitter, verbunden durch die Not, doch jeder von der eignen Lebensgefahr umlauert.
Nie findet man nach langer Trennung einen gleichen Menschen wieder, jeder Atemzug verwandelt uns, und die Monde
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