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Kampf um den Kopf : meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943 - 1945 / Gerhard Schultze-Pfaelzer
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durch die Schläge ausgetrieben, daß er in guter Gesundheit noch geraume Zeit im Zuchthaus verbliebe, und öfters gestunde, wie er Gott und Menschen betrogen habe.

Ein gleiches gieng mit einer Weibs- Person vor sich, welche, um die Umstehenden mehr zu verblenden, Seife in den Mund nahm, und dahero im Paroxismo( in der Raserei) mit dem Mund auf eine unbegreifliche Art schäumen konte.

Noch eine andere bediente sich eines rothen Pulvers, womit sie iedermann glaubend macht, daß ihr die Heftigkeit der Krankheit das Blut aus dem Munde trieb. so sie aber bey Er­mangelung des Pulvers nicht mehr bewerkstelligen konnte.

Merkwürdig ist, daß, so oft diese Personen zur Erde fielen, sie gemeiniglich vorhero einen bequemen Ort sich ausersehen. Die wirkliche Entdeckung des Betrugs hat das dabei gebrauchte Procedere gerechtfertigt. Vielleicht mag diese gegebene Nach­richt Lesenden nicht gar ohne Nutzen sein."

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Vielen Dank, Herr Prediger, ich habe Ihre Nachrichten nicht ohne Nutzen gelesen! Sie bestätigen mir, daß Simulieren in Kerkersnöten niemals eine leichte Sache war. Vielleicht hätten Sie aber meinen Fall doch milder beurteilt und auf die ,, Hei­lung" mit Hilfe eines spitzigen Instruments verzichtet. Dr. Büt­tenberg war ein Laie, er hätte mich mal an den Fußsohlen kitzeln müssen.

Im übrigen, Herr Prediger: Ich habe durch ,, verstellte Krank­heit" meinen wackelnden Kopf, mein Leben retten müssen, auch noch dazu das Leben meiner Frau und meines Tatkame­raden.

Gott hat unser Leben beschirmt, er hat unsere Rettung gewollt. So habe ich zwar einige Menschen betrügen müssen, niemals aber habe ich dabei Gott betrügen können. Oder haben Sie dagegen noch etwas Theologisches einzuwenden, Herr Pre­diger? Nicht? Nun also, das freut mich.

Im übrigen hätte ich trotz aller Prügeldrohungen des Zucht­knechts doch lieber in St. Georgen von 1750 als in St. Georgen vom Februar, März und April 1945 hinter Schloß und Riegel sitzen mögen. Denn damals erhielt jeder Arrestant am Mittag und Abend je ein Seidel Mittelbier, außerdem pro Tag zwei Pfund, jawohl, tausend Gramm Brot. Das warme Mittags­gericht wiederholte sich niemals während der Woche, am Sonn­tag wurde zu den Klößen in Schmalz geröstetes Weißbrot gereicht, und an den Feiertagen gab es Fleisch nach Belieben. Züchtlinge, die auf Sauberkeit hielten, durften sogar in Feder­

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