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Kampf um den Kopf : meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943 - 1945 / Gerhard Schultze-Pfaelzer
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Für jeden Kriegskundigen ist es klar, daß es die Deutschen mit einer gewaltigen Übermacht an schweren Waffen zu tun haben, sobald die Amerikaner zu einem Entscheidungskampf ansetzen. Das bißchen Artillerie kann gegen die amerikanischen Panzerkolosse nichts ausrichten. Wir Gefangenen, die wir ja wichtige Objekte dieses Kampfes sind, erörtern die militärischen Aussichten leidenschaftlich. Um unsre Höfe hängt eine silberne Musik. Die Himmelsklänge rufen nach uns.

An den Eisengittern, die den Mittelkorridor gegen die unte­ren, mit Gefangenen überfüllten Seitengänge abschließt, ent­steht ganz plötzlich stürmisches Massengewoge, das sich in die Gänge fortpflanzt. Was ist, was gibt's?

Händeschütteln, Umarmungen, tränenfeuchte Augen. Jähe Bilder der Rührung. Hoffentlich träumen wir nicht? Nein, nein, wir träumen nicht. Die Amerikaner sind da.

Mir schlägt unser illegaler Bombenfabrikant, der lahme Riese aus dem Pflanzgarten, vor Freude seine private Panzerfaust auf den Schädel, daß ich gleich ein Befreiungsfeuerwerk vor Augen sehe.

,, Also ich ziehe gleich heute nachmittag ins Hotel und lasse mir einen Eierkuchen bringen", prahlt ein Optimist.

,, Eierkuchen und Schlagsahne", ergänzt ein Genießer.

,, Unsinn', widerspricht ein Sachverständiger. ,, Eierkuchen wird ohne Schlagsahne gefressen, aber zu Apfelkuchen ist sie das Richtige. Übrigens gab es Schlagsahne schon seit Jahren nur noch bei der Emmy, der hohen Frau in der Schorfheide . Na, die wird jetzt auch bald ihr letztes Hemd allein waschen."

Wir lachen, wir klatschen in die Hände. Wir besehen uns im Spiegel. Heute hatten wir im Drang der Erwartungen doch wieder das Rasieren vergessen, und so müssen unsere Befreier nun mit uns so vorliebnehmen, wie Gott die Bartstoppeln sprießen ließ.

-

Drüben am Eisengitter gibt es neue Unruhe. Die Gesten sehen nach Enttäuschung aus. Die Amerikaner sind fort? Was denn? Wie denn? Ja, sie sind wieder fort. Sie waren überhaupt nur mit einem Panzerspähwagen gekommen, wollten mit der Zuchthausleitung nur als Parlamentäre verhan­deln. Der Stadt Bayreuth überbrachten sie vorher eine letzte Aufforderung zur Kapitulation, aber der deutsche Truppenbefehlshaber lehnte in militärischer Verblendung die Übergabe ab.

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