Druckschrift 
Kampf um den Kopf : meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943 - 1945 / Gerhard Schultze-Pfaelzer
Entstehung
Seite
227
Einzelbild herunterladen

die

Iso

er­

len

ald

die

en.

nis

Ich

der

uen

en,

iele

ter

Hien

ten Alle

en.

hre

wie

im

Licht

eits

Vor­

Ab­

hre

vom

und

der

dem

zeln.

men­

der

alts­

Ein alter Bürobeamter, der selber nichts entscheiden kann, hat die Herren bis jetzt vertröstet. Ja, der Herr Direktor muẞ doch schließlich jeden Augenblick kommen, mal werde doch die Besprechung in der Stadt zu Ende sein. Leider kann man nicht telephonieren, das Fernsprechnetz ist ebenso zerstört wie die Wasser-, Gas- und Stromversorgung.

Die Zeit rückt näher, der Direktor kommt nicht. Unruhig sieht der SS - Führer auf das Leuchtzifferblatt der Armbanduhr.

,, Länger können wir nicht warten", erklärt er unwillig. ,, Be­stellen Sie dem Herrn Direktor, die politischen Gefangenen müssen morgen unbedingt erschossen werden. Die Anordnung des Sicherheitshauptamtes für den Fall der Gefahr besteht seit langem, der Reichsjustizminister hat ausdrücklich zugestimmt. Dem Herrn Direktor müssen die Verfügungen bekannt sein, wenn nicht, so habe ich hier Abschrift. Sollten die Kriminellen nicht genügend ausgesondert sein, so schadet das nichts, auf ein paar Tote mehr oder weniger kommt es wirklich nicht mehr an. Also am frühen Morgen komme ich wieder. Die Leichen schaffen wir fürs erste in den abgelassenen Teich und schütten ein Faẞ Chlor drüber. Wenn Sie hier unter Ihren Wachtmeistern nicht genug Feuerkraft haben, so holen wir uns noch einen Zug von der Waffen- SS aus der Eremitage. Also haben Sie alles verstanden?"

-

-

-

Der alte Beamte sucht sein Erschrecken so gut wie möglich zu verbergen. ,, Jawohl, Herr Hauptsturmführer, verstanden schon. Ich bin doch alter Soldat. Aber wenn Sie gestatten es würde sich doch allein bei uns um über tausend Menschen handeln. Ich will ja natürlich nichts gesagt haben, aber ich meine zum Beispiel schon die Sache mit den Leichenrein technisch ich meine nur-"

-

-

Mißtrauisch legt der SS - Führer das kalte Gesicht in Falten. ,, Da machen Sie sich keine unnützen Sorgen. Also auf morgen früh. Heil Hitler!"

Ist es ein Zufall, daß der Herr Direktor ausgerechnet heute nacht so lange ausbleibt? Oder sollte er sich absichtlich fern­halten? Nun, ihn, den alten Beamten, der immer nur seine Pflicht tat, geht das nichts an. Oder doch? Wenn etwa der Amerikaner morgen nach St. Georgen hineinkäme und fände die tausend Leichen Nein, nein, lieber nicht. Der Herr Direktor weiß wohl schon, was er tut, der wurde rechtzeitig Nazi, und jetzt drückt er sich wieder rechtzeitig.

15*

-

Die elektrischen Uhren im Zuchthaus stehen still, aber die

227