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Kampf um den Kopf : meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943 - 1945 / Gerhard Schultze-Pfaelzer
Entstehung
Seite
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die erlösende Synthesis. beginnen. Denn der Weg durch die Geschichte ist der Weg zur Vernunft, diesen Glauben soll mir kein empörter Magen entreißen.

Triumph, die Panzer bohren sich in den Thüringer Wald , der Stoß in die mitteldeutschen Herzlande ist geglückt.

Noch immer mischt sich ein Grausen in dieses Triumphieren, noch immer zuckt die Hand, die ein Jubelwort zur Niederlage des Vaterlandes schreiben muß. Doch die Logik der geschicht- lichen Vollstreckung ist unerbittlich: dieses Reich muß unter- gehen, damit wir leben können.

Wieder undwieder schwirren die Bomberpulks über den Mittagshimmel. Nein, das war doch. Ja. das ist ja wahrhaftig der erste Angriff auf Bayreuth ! Es kracht und klirrt, die Erde bebt. Gewiß, uns Berlinern ist das nichts Neues. Doch dieser Todesdonner ist nicht einer von beliebig vielen, er bedeutet den Anfang vom Ende. Mit ungeheuren

_ Lungen werden die Fanfaren der Wende geblasen.

Neben mir hockt auf dem erschütterten und schaukelnden Bettrand der oberschlesische Arzt. Er gibt mir einen Stoß in die Rippen und meint prosaisch:Höchste Zeit, daß die hier auch was auf den Deckel kriegen!

Dem Angriff folgt eine lange, gelähmte Stille. Zwei Stunden vergehen. Dann rasseln wieder die Schlüssel des Beamten, der bei den ersten Einschlägen in den Keller gerannt war. Er tritt in die Zelle und ist auffällig mitteilsam:Ein Haus am Bahn- hof ist kaputt, und zwei Verwundete hat's gegeben. Wir glauben ihm nicht, er belügt uns auf Befehl.

Ein paar Tage später kommt der Bayreuther Anwalt, dessen Besuch ich erbeten habe, ein liebenswürdiger altbayerischer Justizrat im weißen Haar, der sich mit gutbürgerlichem Er- schrecken meine ganze Leidensgeschichte anhört. Er wird meine Frau, die drüben im Gefängnis des Landgerichts eingekellert ist, sofort besuchen und ihr berichten, daß ich nicht nur immer noch lebe, sondern auch meine gesunden fünf Sinne beisammen habe. Der Volksgerichtshof hat sich tatsächlich in letzter Stunde hier in Bayreuth noch einmal zu bösem Tun versammelt. Gestern hat er sogar, wie mir der Justirrat erzählt, noch zwei Todesurteile und hundert Jahre Zuchthaus diktiert. Doch was soll das! Ich spotte seiner Senate. Packt die Blutkostüme in die Mottenkiste. Wir brauchen sie vielleicht noch zu einem Film.

Mir kann der Todessenat nämlich nichts mehr anhaben, denn er hat noch in Berlin feierlich beschlossen, daß ich zunächst in

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