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Kampf um den Kopf : meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943 - 1945 / Gerhard Schultze-Pfaelzer
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Lippen gehalten haben. Welch ein rätselhaftes Wesen bleibt doch der deutsche Mensch auch noch als Mörder!

Alle drei Tage wird jetzt die Brotration um ein Viertel ge­kürzt, das Suppenquantum sinkt von einem Liter auf dreiviertel und dann auf einen halben; jetzt hört der Gemüsebrei auf und wird durch Kartoffeln ersetzt, die sich dann mehr und mehr auf die Kartoffelschalen beschränken.

Da muß doch etwas dahinter stecken! Mein neuer Zellen­genosse ist Arzt, er hat sogar als Magenspezialist und Ernäh­rungsphysiologe in einer großen oberschlesischen Industrieklinik gearbeitet. Außerdem war Dr. M. vier Jahre lang Lagerarzt in dem weltberüchtigten Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz , da ist er hellsichtig, jedenfalls äußerst mißtrauisch geworden; er kennt alle gröberen und feineren Methoden, mit denen man politische Gefangene in eine bessere Welt befördert-..

Was geht da vor? Dr. M. ist ein Mann, der gewissermaßen über allen Standpunkten, Lagen und Lagern steht, er ist gänz­lich erhaben über Gut und Böse, über Meinungen und Intrigen, er geht mit lässiger Neugier darauf aus, das spröde Ding an sich zu suchen. Daher lehnt er es ab, Deutscher oder Pole zu sein, er ist lediglich Oberschlesier, und als Oberschlesier hält er wieder den oberschlesischen Staat, den er eigentlich gründen wollte, für eine Fehlgeburt. Hitlerdeutsche wie Pilsudskipolen betrachten ihn gleichermaßen als Landesverräter. Jetzt inter­essiert ihn nur die eine Frage, nach welchem statistischen Prinzip man uns durch Hunger um die Ecke bringen wolle.

Mit den tschechischen Kalfaktoren und noch höheren Zucht­hausprominenten steht der sprachgewandte M. auf vertrautem Fuße. Da erfährt er, was der Bayreuther Gauleiter Wächtler über die Stadt und über das Zuchthaus verhängt hat. Die Stadt mußte, weil der oberste Gaubonze nach Naziart die Rekord­ziffern liebt, viel mehr Flüchtlinge aus Ost und West in diesen Wochen aufnehmen, als sie versorgen kann. Daher hatte das noch normal versorgte Zuchthaus alle Vorräte abzugeben. Die Kürzungen sollen so lange fortgesetzt werden, bis das auf über zweitausend Gefangene angeschwollene Zuchthaus wieder auf die Hälfte gesunken ist. Wenn das nicht humane Vorsorge ist!

Was ist der Breslauer Wachtmeister mit seinen schäbigen vierzehn Morden auf fremden Befehl doch für ein Waisenknabe gegen den Massenmörder Wächtler! Aus unserer Zelle muß der dritte Mann daran glauben.

Das ist der rheinische Fabrikbesitzer und Stabsfeldwebel

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