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Kampf um den Kopf : meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943 - 1945 / Gerhard Schultze-Pfaelzer
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Delikte. ,, Das ist eine ganz ehrliche und solide Vorbereitung zum Hochverrat. Und der Kopf deines Genossen Albert scheint mir sehr lose zu sitzen."

,, Ach, mein Gott, den armen Albert, den haben die braunen Banditen schon Freitag vor drei Wochen geköpft. In der Nacht, ehe sie ihn wegbrachten, klopfte er noch an meine Zellentür und klagte herzzerreißend:, Emil, Emil', jammerte er ,, wenn du nach Hause kommst, grüß mir meine Frau, die Lotte, und meine Tochter, die Frida. Grüß alle, alle, die ganze Heimat von mir." Und dann ist am Sonntag drauf meine Frau, die Ida, bei mir gewesen, und sie brachte mir von seiner Frau ein ganzes ge­bratenes Karnickel, das sollte eigentlich der Albert essen, aber der Albert brauchte es nicht mehr, der war ja schon Kopp ab und tot. Na, ich sage schon, mir blieb das gute, fette Karnickel­fleisch beinah im Halse stecken."

,, Über' n knusprigen Karnickelbraten geht nichts, am besten mit pikanter Kräutersauce", läßt sich jemand vernehmen, der bis zur langen, scharfen Nasenspitze in die Decke eingerollt ist. Wir sehen verdutzt nach seinem Lager hinüber.

,, Bitte", sagt er selbstbewußt ,,, ich muß es wissen, ich habe jahrelang in Frankreich Kaninchen gezüchtet. Die Franzosen haben besonders schwere, fleischige Rassen, die Aufzucht ist sehr lohnend. Ich möchte es später in meiner Heimat im Harz mit einer richtigen großen Kaninchenfarm versuchen."

Emil, dem damals der Karnickelbraten des Toten beinahe im Halse stecken geblieben war, ist neugierig auf die französischen Kaninchen. ,, Was wolltest du in Frankreich , wenn du aus dem Harz bist?"

,, Ich türmte nach Frankreich ", erzählt er ,,, weil ich nicht in Hitlerdeutschland Knast oder Konzertlager schieben wollte. Das ist jetzt zehn Jahre her, 1935 war es, ich studierte in Göttingen Medizin und hatte die Nase von der Hitlerei schon mächtig voll. Also ich kolportiere ein paar neue saftige Witze, Göring­witze, Goebbelswitze usw. Da denunziert mich doch ein Haken­kreuz- Halunke ganz offiziell bei Universitätsrichter und Partei. Ich haute Hals über Kopf nach Frankreich ab. Dort wollte ich weiterstudieren, aber ich bemühte mich ein bißchen zu langsam um das schnelle Französisch. Schließlich wurde ich Heil­praktiker, Menschen- und Viehdoktor in einem lothringischen Dorf. Im übrigen Kaninchenzüchter, Trichinenbeschauer, Hunde­dresseur und was sonst noch so vorkommt. Plötzlich macht Hitler seinen Krieg, ich flüchte vor den Nazi- Soldaten nach

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