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Kampf um den Kopf : meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943 - 1945 / Gerhard Schultze-Pfaelzer
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wie in der Raumlosigkeit zusammen und durcheinander; es ist ihrer Erschöpfung gleichgültig geworden, wie die Materie mit ihnen Fußball spielt.

Wie beneiden wir die Läuse um ihre Freizügigkeit! Ja, das Ungeziefer führt ein Götterleben. Die Wanzen sind Souveräne der Schöpfung, wir aber sind so eingekesselt, daß wir uns nicht einmal die Nase wischen können.

Als die Nacht vorüber ist, stehen unsere Wagen irgendwo im Wirrwarr. Wir kamen nicht vorwärts, wir sind nur auf den Gleisen herumgeschleudert worden. Die Schienen unter uns begannen minutenweise im Feuerzauber der Luftgewalten zu tanzen. Großangriffe auf mitteldeutsche Industriezentren: wir sind ja nicht weit von Dessau , die Sirenen tuten, einmal, drei­mal, Luftalarm, Luftwarnung, Entwarnung, Luftalarm. Alle Dinge klirren und beben. Durch die Wandritzen dringt brennen­der Widerschein.

Am nächsten Nachmittag rumpeln wir langsam von dannen. Nur einmal hat sich inzwischen die Schiebetür geöffnet. Es gab viel Flüche und kein Brot, einen Krug mit dem kostbaren Wasser kippte ein mutwilliger Wärter vor uns auf den Bahn­damm. Die Qualen des Tantalus .

Im Halbdunkel setzt es plötzlich Tumult, man hört an dem Klatschen und dem Kampfgröhlen, daß sich einige prügeln. Wer hat die Nerven verloren?

,, Solch ein Mistvieh sollte man einfach totschlagen!" ,, Aufhängen den Hund!"

,, Ja, was ist denn eigentlich los? Kinder seid doch vernünftig." ,, Das Schwein hat uns reingerissen."

,, Verraten hat uns der Strolch. Alles brühwarm der Gestapo verpfiffen. Totschlagen die Kanaille!"

Eine Gruppe von braven Hochverrätern aus Bremen drischt auf ihren ehemaligen Anführer ein, der unter den Daumen­schrauben der Gestapo Namen preisgegeben und Geständnisse gemacht haben soll. ,, Dem soll der Brägen wie Dünnpfiff aus den Ohren spritzen", kreischt die schaurige Hysterie der Durstenden.

,, So, Sie sind 1914 dritter Kürassier gewesen, Herr Kamerad? Da müssen Sie doch den Rittmeister Grafen Wartenberg noch gut gekannt haben."

,, Aber gewiß doch, Sie meinen den Alexander, der die große Nummer bei Hof hatte. Mit seinem jüngeren Bruder Hans war ich mal auf Reitschule. Wenn Sie Dohna- Ulan waren, müssen

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