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Kampf um den Kopf : meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943 - 1945 / Gerhard Schultze-Pfaelzer
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Sonst hätte das deutsche Volk womöglich nie erfahren, welche starke Gruppen deutscher Opposition schon bereit­standen, um die Befreiung von innen her wenigstens zu versuchen. Wir mußten der Welt beweisen, daß wir kein Opfer scheuten."

Es ist ein melancholisches Feuer, das in Dr. G.'s leidenschaft­lichen, dunklen Augen glimmt. Alle seine Freunde holte der Würger Tod. Ihm wurde jene Verlassenheit zudiktiert, die auch eine Auslese zur Berufung ist.

,, Es ist ein Jammer, daß Deutschland zu keinem großen Partisanenaufstande gegen die Hitlerknute mehr fähig ist", ruft ein baumlanger, junger Kraftmensch, dem man erst vor einigen Tagen die Glieder entfesselt hat, die so manchen Sprengstoff- Koffer schleppten.

,, Bei revolutionären Erhebungen machen Offiziere aus den alten Gesellschaftsschichten immer die meisten Fehler", doziert ein altgelernter, abgeklärter Klassenkämpfer. ,, Sie können sich nicht an die unterirdische Luft der Illegalität gewöhnen. Einer verriet sich mal dadurch, daß er in der Verkleidungsrolle als Hausknecht sich nicht selbst die Stiefel putzen wollte. Revolutionen müssen von unten kommen. Denn Revolution von oben läuft immer auf eine Art Faschismus hinaus."

,, Ohne echte Sozialisierung hat alles revolutionäres Gerede und Getue gar keinen Sinn", erklärt der unerbittliche Ost­ preuße Ewald, eine kategorische, imperative Natur, die in der Politik keine Halbheiten dulden mag. Noch immer trägt er das Achselstück als Sonderführer, obwohl er als marxistischer Hochverräter eigentlich ins tiefste Fegefeuer des Soldaten­standes gehört. Zu unserm Erstaunen besitzt Ewald sogar noch eine Dienstpistole; sie ist zwar nicht geladen, aber dafür schießt sein Geist ökonomische Dialektik und kritisches Miß­vergnügen.

Ohne die Probleme um Revolutionen, Revolte und Verrat gelöst zu haben, ohne über 9. November und 20. Juli im klaren zu sein, richten wir uns wieder zum schlaflosen Dämmern auf dem nassen Papierbrei ein.

Wie wird das Datum lauten, das die Freiheit bringt? Ein paar Fieberkranke schreien in Wirrträumen auf. Gräßlich gellt ihr Wahn durch den Schiffssarg.

Die Brotklumpen, die am sechsten Tage der Kahnfahrt durch unsere Luke herabfallen, sind in der Seeschlacht verdorben. Neben mir prüft einer die mißhandelte Gottesgabe mit sachver­

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