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Kampf um den Kopf : meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943 - 1945 / Gerhard Schultze-Pfaelzer
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haben ja, wie es durch die Finsternis rauscht, ein paar Über­lebende von der bluterstickten Rebellion an Bord. Da wird man ja wohl noch heute Nacht allerhand zu hören bekommen.

Mein Kojennachbar zur Rechten heißt Schorsch und ist ein trotziger Antimilitarist, ein querköpfiger Menschenfreund mit zerknittertem Gesicht. Er war auf einigen gestapopolizeilichen Umwegen aus Kopenhagen gekommen, wo er seit Dreiund­dreißig das dänische Asylrecht genoß. Das Dritte Reich hatte den sozialistischen Emigranten jetzt zwangsweise aus der Fremde heimgeholt, wenn auch nur zum Gastspiel bei den Henkern. Schorsch ist ein strenger Magister des internationalen Marxismus, auch ein wackrer Fanatiker der Illegalität, der manchen Flüchtling den Naziklauen entrissen und über die Meerenge ins schwedische Paradies hinüberrettete. Schorsch hat schon einen jungen Halbpolen in seinen proletarischen Schulungsfängen und trichtert ihm materialistische Dialektik ein. Ich vernehme eben, wie sich unsere zweibeinigen Art­genossen von den Menschenfressern bis zum Kapitalismus durchgerungen haben.

Das Beil des braunen Reiches träfe bestimmt in Schorsch kein unschuldiges Haupt. Aber mein Kojengenosse zur Linken hat sich nicht einmal gegen Naziparagraphen vergangen, er ist ein Opfer des schlechten Gewissens der SS. Der junge Sohn des Schweizer Großindustriellen A. kam nach Deutschland , um Präparate einer chemischen Fabrik seines Vaters abzusetzen. Ach, dieser harmlose Jüngling ahnte nicht, daß die netten Kerle in Berlin , die ihm ihre Freundschaft aufdrängten, Beamte des Geheimdienstes waren und den sprachenkundigen Schweizer zum Agentendienst in Nordafrika werben wollten. Als A. ent­rüstet ablehnte, drehten sie den Spieß um und ließen ihn wegen angeblicher Spionage zugunsten der Alliierten verhaften. Der Volksgerichtshof scheute sich nicht, den Haftbefehl wegen Spionage trotz aller Schweizer diplomatischen Proteste auf­recht zu erhalten; Gestapobeamte, die zu weit gegangen waren, sollten gegen Kompromittierung gedeckt werden.

A. ist derart verbittert über den Lauf dieser unheimlichen deutschen Welt, daß er sich nur noch selten zur Aufnahme von Nahrung entschließt, er befindet sich in stillem Hungerstreik. Wir versuchen ihn wie ein Kind zu füttern, er sträubt sich sanft, beschränkt sich auf matte Anklagen, und da er nicht zum Widerstande geschaffen war, mußten wir ihn zwei Monate später in tränende Frühlingserde senken.

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