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Kampf um den Kopf : meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943 - 1945 / Gerhard Schultze-Pfaelzer
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Januar 1945 nach Lodz zurück, wie sich die befreite Stadt seit einigen Tagen wieder nennt. Zwischen den beiden Straßenseiten der Zeitgeschichte, zwischen Hakenkreuz und Sowjetstern dehnt sich die klirrende Brücke quer durch den polnischen Winter.

Hunderttausende von Nazideutschen sind auf der Flucht aus Litzmannstadt, auf der Flucht vor den Rächern. Wieder bleiben die Gestürzten hilflos liegen, wenn sie das Brausen des Krieges erreicht. Sie erstarren im Schnee, sie versinken im Sumpf, sie verbluten in Trümmern. Der Ostwind peitscht um ihre er­frorenen Ohren, in ihren Adern gerinnt die Gewissensangst.

Ihr habt nicht hören wollen, als man euch warnte: geht nicht nach Litzmannstadt, es ist immer noch das polnische Lodz , es gehört euch nicht. Geht nicht, sonst kommt der Pole noch nach Breslau ,

Aber jetzt ist es so weit, jetzt nähert sich der slawische Heer­bann der schlesischen Hauptstadt. Granaten heulen um Preu­Bens Wiegenstädte, um Königsberg und Marienburg. Aus den Hunderttausenden, die entwurzelt im weißen Chaos treiben, sind Millionen geworden. Mit Peitschenschlag und Feuerbrand, mit Hungersqual und Seuchengift wüten die Furien der Ver­geltung. Hörst du, wie schaurig sie schallen, die Posaunen des letzten Tages! Das große Weltgericht ist da! Die Fanfaren umheulen das Gitter vor meinem Pappfenster. Auch mein armes Heimatstädtchen ist untergegangen.

Apokalyptische Traumschatten gespenstern um meine schlaf­losen Lider. Nun reiten sie auf ehernen Rossen heran, die Legio­nen des Ostens, und über ihnen flattern die Wimpel neuer Ideen.

Verkohlte Hakenkreuze rauchen auf den frischen Gräbern. Wie eine Opferflamme schwelt das erste Morgenrot. Wache ich, träume ich? Die Stunde blutet zwischen Traum und Tag! Wo bin ich? Ach, ich war noch einmal eingeschlafen. Niko hat mich nicht geweckt, jetzt erzählt er mir, Doktor Weißbart habe gesagt: ,, Laßt den da mal ruhig weiterpennen, dann muß er nicht immer telephonieren."

Aber da schrillt schon der Fernsprecher meiner Geschicke: Der Schultze- Pfaelzer zum Herrn Obermediznalrat.

,, Na, heute machen wir aber keine Faxen!" begrüßt er mich eindeutig energiegeladen. ,, Heute müssen wir endlich fertig werden", fährt er fort, da ich undurchdringlich schweige.

Also er will heute mit mir fertig werden. Die Zeitkrisis brennt auch in seinen Fingerspitzen. Wohlan, Herr Sachver­

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