junger Übernazi fühlte ,,, wir brauchen ein schöpferisches Recht, das die Ganzheit des völkischen Geschehens sieht. Im neuen Volksstaat wird es notwendig sein, auch schon diejenigen Elemente auszumerzen, die eine Disposition zum Staatsfeind in sich tragen."
Und darum, Herr Verteidiger, ein Beispiel für den Naziterror aus brutalem Demonstrationswillen. Es war wieder in Lodz , und es mag wieder acht Tage später gewesen sein, als meine Dienstreise durch das eroberte Polen wieder rückwärts ging. Während ich ganz ahnungslos beim Frühstück in der Glasveranda eines Kaffeehauses saß, begann man draußen in der Mitte des großen Platzes mit einer tollen Flaggenhissung. An den Bannerquerhölzern von acht hohen Fahnenmasten wurden acht lebendige Menschen hochgezogen. Die waren an den Armen mit Stacheldraht auf das Querholz gekreuzigt, jawohl so gekreuzigt, daß die Drahtstacheln tief in ihr Fleisch einschnitten. Die acht Gekreuzigten starben erst nach einigen Stunden an den Marterhölzern vier Meter hoch über der Erde mit verzerrten Gesichtern, die nach Erschlaffen der Nacken fast bis auf die Brust herabhingen.
Die acht waren Juden. Sie gehörten demselben Volke an wie ein gewisser Kruzifixus aus Nazareth.
Natürlich hatten wir am Offizierstisch im Kaffeehaus die Sache nicht stillschweigend hingenommen. Wir waren sofort zum ,, Höheren SS- und Polizeiführer" von Lodz gegangen. Der höhere, hohe Herr bedauerte, uns nicht persönlich zu Diensten sein zu können, aber seine Adjutantur stünde uns mit Untersuchungen zur Verfügung. Der Adjutant war ungemein höflich -man werde ja gleich hören, was da los sei. Er ging ins Nebenzimmer, um deswegen zu telephonieren, er kam wieder, bot neue Zigaretten an und ging wieder telephonieren. Sein Gesicht hatte die nervöse Arroganz des verlegenen Frechlings.
Aber dann kam er strahlend, er hatte alles aufs beste aufklären können. ,, Also die acht Juden mußten wegen Sabotage gehenkt werden, weniger wegen ihres eigenen Vergehens als wegen des allgemeinen passiven Widerstandes unter der jüdischen Bevölkerung."
Die acht Juden hätten ein Arbeitskommando gebildet, das den Auftrag hatte, mit Spitzhacken den gemauerten Obelisk des ehemaligen Kosciuszko - Denkmals abzutragen. Schon in der ersten Arbeitsstunde wären drei Spitzhacken zerbrochen. Da mußte man natürlich durchgreifen, denn sonst könnte man
170


