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Kampf um den Kopf : meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943 - 1945 / Gerhard Schultze-Pfaelzer
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mit einer gewissen Befriedigung; die Bestätigung seiner dia­gnostischen Vermutung scheint ihn unbewußt zu erfreuen.

Eines Morgens war ich freilich infolge echter Kopfschmerzen unaufmerksam und vergaß, ihn mit einer Telefonnummer zu begrüßen. Wernicke wartete noch ein paar Sekunden und fragte dann verdutzt. ,, Ja, warum telefoniert der da nicht mehr?"_ Der Mensch ist ein Sklave im Trott.

Weihnachten steht vor der Tür, für mich das zweite Licht­fest im Kerker, und dieses Jahr auch noch in der Krankenzelle. Voriges Jahr im Gestapo - Keller habe ich überhaupt nicht ge­merkt, daß es so etwas wie eine deutsche Weihnacht gibt, ich war gefesselt und hatte um die Jahreswende wochenlang mit niemandem ein Sterbenswörtchen sprechen können.

Hier in Tegel geistert durch die Adventszeit die frohe Botschaft, es würde am heiligen Abend eine große Bock­wurst von echtem Pferdefleisch geben, auch soll nachmittags im Treppenhaus eine Weihnachtsandacht mit Topftanne stattfinden.

In meinem Herzen weihnachtet es freilich durchaus nicht. Zunächst hat Büttenberg einen kleinen Racheakt verübt, er ließ mir die Leseerlaubnis entziehen, was bedeutet, daß ich Zeitun­gen nur noch illegal mit größter Verspätung bekomme.

Zudem erwartet mich der Schlauch für die künstliche Ernäh­rung, der den Schlund recht bösartig kitzeln soll. Meine Hinten­rum- Versorgung wird immer schwieriger, denn der Ober­medizinalrat läßt mich jetzt ständig bespitzeln; ich muß mir immer wieder Allotria ausdenken, damit die Aufpasser zu berichten haben, was es auf dem Sportfeld meiner Gehirn­athletik neues gibt. Immer schwerer leide ich unter dem Mangel an frischer Luft und Bewegung, ich weiß auch niemals, was in einer Stunde mit mir geschehen wird, weiß nie, wohin der Wind der ärztlichen Launen mich wehen wird, ich bin ja nur eine verlorene Flocke im schmutzigen Schaum. Alle inneren Ordnungen sind zerstört. Und draußen vergreist ein schauriges Jahr.

Sodann bedrückt mich die böse Mär von einer deutschen Offensive im Westen. Nazi- Deutschland bläst noch einmal in den Ardennen Siegesfanfaren, und hohe Beutezahlen beleben wieder die eingetrocknete Hoffnungsphantasie derer, die nicht alle werden. Gewiß, mein insgeheim noch klarer Kopf, mein ansonsten heißumstrittenes Köpfchen, läßt sich nicht täuschen:

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