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Partie wahrscheinlich schon verloren. Denn ich kann eigent- lich nicht finden, daß Sie sich in der Stegreifkomödie mit be- sonderem Schauspielerruhm bedeckt hätten. Aber ich muß gestehen, ich hätte die Rolle nicht fünf Minuten spielen können. Man muß Phantasie dazu haben. Ich wäre zu nüchtern, zu prosaisch zum Simulanten größeren Stils. Sie aber können das. Sie sind nämlich letzten Endes Romantiker, und die können über Abgründe hinwegfliegen, während Realisten wie ich— springen müssen. Und dann springe ich häufig zu kurz.“
Inzwischen trocknet er sich sorgfältig ab und frottiert sich kräftig die Brust und die Beine. Im Türrahmen steht schon die „schwarze Pest‘ und hält die Handfesseln zum Aufstreifen und Einschnappen bereit.
„Alsdann gute Nacht, mon cher frere in politicis. Ich ver- erbe Ihnen diesen fetten und wohlriechenden Seifenrest. Waschen Sie sich gut, die Welt ist schmutzig geworden. Einmal verschäumt dieses letzte Stückchen Seife auch ins Nichts, wie ich verschäumen werde. Und wir hinterlassen keine Spur. Wir alle müssen wie ein weißes Wölkchen in der Ewigkeit ver- dunsten. Aber Sie müssen noch Ihre Maske tragen, Sie roman- tischer Simulant. Dieser Ort sei Ihre Katharsis! Läuterung von allen solchen Leiden!“
Offenbar verziehe ich unbewußt das Gesicht. ‚Nur nicht weich werden‘, sagt er leichthin und setzt befehlend hinzu: „Und nun machen Sie, daß Sie in Ihre Gummizelle kommen!“
Was sich bei mir in den nächsten Tagen abspielt, ist wirk- lich ‚„‚Gummizelle“. Ich muß alle Irrenromantik realistisch übersteigern, muß exakt meine Krankheit durchhalten, nämlich den Verfolgungswahn, der sich einige Tage lang verschlimmert.
Heute gibt es den beliebten„Rumfutsch‘, wie es in der Knastsprache heißt, das ist eine Rumfordsuppe aus Graupen. Als der Kessel an meiner Zelle vorrollt, halte ich die Schüssel auf dem Rücken versteckt.„Das könnte euch so passen, wenn ich mich mit dem Zeug vergiften ließe!“
„Waas?‘ glotzt die Filzlaus. ‚Sie sind auf einmal wieder durchgedreht! Waas? Schweinerei ist das!‘ Ich schimpfe halb- laut murmelnd auf die bösen Bolschewisten, die immer aus einer Gießkanne Cyankali sprühen lassen, wenn der Kalfaktor Martin bei mir auskellen will,
Zwei Stunden später bringt das Glasauge meinen geheimen Rumfutsch und hält dann mit Niko leutselige Kritik. ‚Mensch,
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