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„Nil admirari, ich habe mir das schon seit 1933 abgewöhnt‘, erwidert der Diplomat gelassen.„Übrigens, was machen Sie hier Gutes, mein lieber Doktor? Als ich vor einem Jahr von Ihrer Verhaftung erfuhr, da dachte ich noch: Der Schultze- Pfaelzer ist ja sein Leben lang unvorsichtig gewesen. Den hätten sie eigentlich schon viel früher schnappen müssen. So was kann dir als ausgekochtem Diplomaticus natürlich nicht passieren. Und nun haben sie mich beim Wickel, und wie!“
Er scheuert mit beiden Handflächen seinen mageren Hals. ‚War doch anständig von dem Büttenberg, mir noch Höhen- sonne und Wannenbad zu bewilligen. Ich glaube, das ist sogar gegen die hiesige Kleiderordnung. Na, wenn schon, einen letz- ten Wunsch wird der Mensch ja haben dürfen. Früher gab’s ja eine sogenannte Henkersmahlzeit. Mancher arme Sünder soll sich einen ganzen Trog mit Zwetschgenknödeln bestellt haben. Jedem Tierchen sein Pläsierchen. Ich werde erst froh sein, wenn die Geschichte vorüber ist.‘
Ich schweige, mir fällt gar nichts Passendes ein, und ich will nicht schon wieder etwas Triviales sagen.
So muß er denn das Gespräch allmählich wieder aufnehmen. „Hören Sie mal, mein Bester, eine dumme Frage. Ich habe mal irgendwo gelesen, die Stricke, mit denen sie einen aufhängen, würden vorher eingeseift. Ob das stimmt?“
„Ich habe es auch mal gelesen‘, erwidere ich dumpf.„Im übrigen, was stimmt denn überhaupt noch in dieser schlimm- sten aller Welten?‘
Er bestätigt mit eifrigem Nicken.„Sie haben recht, mein Bester. Es ist alles eitel. Das steht, wenn ich nicht irre, schon in der Bibel. Na, Bibelforscher bin ich nie gewesen, und jetzt ist's für mich etwas zu spät. Ja, es ist alles eitel. Siebenund- zwanzig Jahre bin-ich Diplomat gewesen. Und was ist das Fazit? Nicht zehn Pfennig ist meine praktische Lebensarbeit wert. Siebenundzwanzig Jahre Lebensarbeit für Deutschland ! — Sie kennen ja unser Auswärtiges Amt . Neben den üblichen Gesellschaftslöwen und Mittelmäßigkeiten doch viele gelehrte und sogar viele feine-Köpfe. Jedenfalls stellen wir im Durch- schnitt nicht schlechtere Könner als die alliierte Partei der victuri, der totalen Beherrscher von morgen.— Und was haben wir getan? Ich bitte Sie, was ist denn die einzige wich- tige Aufgabe jeder Außenpolitik? Sich Freunde zu schaffen, die was taugen. Alles andere ist doch nur Schaum. Wir haben
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