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bei Ihnen ist. Aber so? Ja, Menschenskind, wollen Sie denn die ganze Weltordnung auf den Kopf stellen?‘
Nein, das will ich nicht, ganz im Gegenteil.
Die Weltordnung steht auf dem Kopf. Und die Akrobaten sind Verbrecher. Sie haben alle Dinge durcheinandergewürfelt. Ich möchte sie wieder zurechtrücken. Aber ich schweige und grüble. Barmherziger Himmel, was habe ich nur gesagt? Was ich gesagt habe, wäre ja bei einer irrenärztlichen Untersuchung so ziemlich gleichgültig, aber wie ich das Gespräch geführt habe, darauf kommt es an! So wie ich sprach, so redet. be- stimmt kein Geisteskranker. Es war nicht nur alles logisch— das kommt auch bei Gestörten vor—, sondern meine Be- hauptungen waren nicht in der Fiktion, sondern in der Wirk- lichkeit verankert. So wie ich sprach, gehöre ich nicht ins Irrenhaus, sondern vor Gericht, sogar vors Gericht der Geschichte!
Das habe ich nun davon, er wird mich nicht ins Irrenhaus schicken, sondern zum Volksgerichtshof ! Ich habe mutwillig verspielt, vielleicht nur in einem Anfall von dummer Eitelkeit. Aber was hilft’s, ich muß bis zum Ende kämpfen. Jetzt kämpfe ich nicht mehr um meinen Kopf, ich kämpfe für die Wahr- heit! Soll er mit mir machen, was er will, ich kämpfe endlich einmal für die Wahrheit, und wenn es mich den Kopf kostet! Der Teufel hole die Tarnung!
„Wollen Sie meine Aussagen über Hindenburgs Testament nicht zu Protokoll nehmen, Herr Obermedizinalrat? Das wäre doch ein Bissen für den Volksgerichtshof ! Da könnte doch der rasende Roland Freisler wieder mal Gesinnungen simulieren wie noch nie! Ja, mit einem solchen Schauspieler kann ich mich nicht messen. Der versteht sein Geschäft. Muß sich sonst so oft mit Lappalien abrackern, muß Köpfe rollen lassen, die nur ein bißchen gemeckert oder am fremden Radio genascht haben, Aber einen großen Staatsbetrug enthüllen, das ist doch eine Aufgabe, des Blutes der Edlen wert. Eine fabelhafte Tribunalszene für einen Staatskomödianten wie Freisler .. Und Sie werden als medizinischer Großinquisitor assistieren!‘
Ich habe mich in Hitze geredet und rufe mit letzter Steige- rung:„Riskieren wir mal alle unsern Kopf, Herr Ober- medizinalrat!‘
Er legt mir mit der abgeklärten Geste ärztlicher Fürsorge die Hand auf die Schulter. ‚Warum diese manische Aufregung? Lieber Herr Doktor, ich habe die Pflicht zu untersuchen, ob
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