Druckschrift 
Kampf um den Kopf : meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943 - 1945 / Gerhard Schultze-Pfaelzer
Entstehung
Seite
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,, Aber ich bitte Sie, es steht doch klipp und klar in seinem Testament zu lesen. Und Sie haben doch in Ihrem Buche dieses Testament mit abgedruckt!"

,, Verzeihung, Herr Obermedizinalrat, da habe ich Sie irre­führen müssen. Ich konnte diesen falschen Testamentstext in meinem Buche nicht verhindern. Ich saß damals nämlich auch in einem schutzlosen Bunker und konnte mich noch weniger wehren als heute, wo ich wenigstens verrückt bin. Schon da­mals war ich den Herren Machtergreifern als Wissender im Wege, und darum griffen sie mich. Am Tage nach Hinden­burgs Tode wurde ich in Neudeck verhaftet. Der Gestapo­chef Heydrich nahm mich fest und ließ mich durch sechs Mann schwarze Garde nach dem Columbia- Haus in Berlin transportieren. Hu, war das ein Weg! Waren Sie mal in diesem finstern Bluthaus? Es ist jetzt abgerissen! Also als Hitler vom Irrtum der Nation gewählt war, ließ man mich wieder raus. Man hatte mich genügend mit Fuß­tritten traktiert. Es war nur ein Irrtum, und Irrtümer regie­ren seither die Stunde. Ich mußte unterschreiben, daß ich über die Testamentssache wie ein Toter schweigen würde, andernfalls hätte ich im Krematorium über alle Irrtümer der Geschichte nachdenken können. Inzwischen hatte das Propaganda- Ministerium mein Manuskript auf das gefälschte Testament hin umfrisieren lassen. So kann ich also nur hoffen, daß Sie, der Sie hier Gottes Stelle bei mir vertreten, mich noch so lange leben lassen, bis ich die Wahrheit um den Globus kabeln kann. Übrigens, Herr Obermedizinalrat, wenn Ihnen die Geschichte zu irrsinnig erscheinen sollte bitte sehr-, in Ihrem Schreibtisch liegt meine Anklageschrift. Da können Sie wenigstens nachlesen, daß mich die Gestapo in Hinden­burgs Sterbehause am Morgen nach seinem Tode wegen poli­tischer Unzuverlässigkeit verhaftete. Auch ein unzuverlässiger Kopf wie der meine hat manchmal lichte Momente."

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Büttenberg hatte sich während meiner heftig hingeschleu­derten Erzählung mehrfach Aufzeichnungen machen wollen, aber den Stift immer wieder erregt auf das Blatt zurück­geworfen.

Jetzt erhebt er sich jäh und sagt mit stoßendem Atem: ,, Was sind Sie für ein seltsamer Mensch! Man weiß tatsächlich kaum noch, wen man vor sich hat. Wenn es nicht wirklich erwiesen wäre, daß Sie in Hindenburgs Umgebung gelebt und die Bücher geschrieben hätten, dann würde man eben wissen, woran man

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