sogar über die Schlacht auf den katalaunischen Feldern. Sehen Sie, zufällig kenne ich die auch, damals kämpfte Europa gegen die Hunnen, gegen die Horden aus dem Osten von damals. Die Hunnen von heute sind die Bolschewisten, und in diesem Kampfe um Europa sind Sie zu unsern Feinden übergelaufen, Sie woll- ten sich den Moskauer Bolschewisten in die Arme werf@n. Und dafür müssen Sie bestraft werden. Wir wollen uns nichts vor- machen. Auf Verrat steht im Kriege Todesstrafe. Also warum wollen Sie feige sein! Lassen Sie die Mätzchen. Es hilft Ihnen doch nichts. Verstehen Sie, Feigheit macht alles nur noch schwerer.“
Er sprach mit ruhiger Suggestionskraft, er war mir im Augenblick überlegen, hatte mich gewissermaßen überflügelt.
Achtung! Wenn ich mich jetzt mit ihm auf eine halbwegs vernünftige Diskussion einlasse, nein, dann macht er einfach den Sack zu, dann bin ich verloren. Es geht nicht mit der ver- nünftigen Tour, wenigstens so nicht. Das kommt von der Eulenspiegelei. Ich darf ihn nicht veräppeln, so verlockend das ist. Es handelt sich. wirklich um keinen Bierulk, sondern um ein Spiel auf Leben und Tod. Also muß ich wieder einiger- maßen verrückt werden. Ich werde manisch, das. ist jetzt wieder dran, und ich hatte damit bisher auch das meiste Glück.
Deshalb springe ich auf und beflagge mein Gesicht mit heite- rem Lächeln. ‚Ja, ja, Herr Geheimrat! Ich denke, wir ver- steh’'n uns ganz famos. Warum sollte ich feige sein, kommt gar nicht in Frage. Ich und feige! Wir ziehen wieder zu Felde, heißa, immer feste druff! Die Fahne hoch, und wenn die Welt voll Teufel wär! Nicht wahr, so hieß es doch in dem alten Trutzlied Martin Luthers ? Also mit Martin Luther gegen die Bolschewisten! Die Reihen fest geschlossen, der liebe Gott imarschiert!‘
Seine Mienen werden finster, in seiner Unterlippe hängen Drohungen, er ist ernstlich böse, er will mich jetzt ohne Gnade kleinkriegen. Das weiß ich, ehe er spricht. Ich weiß nur nicht, ob er mich aus politischer Überzeugung oder aus, ärztlicher Jägerlust fangen will.
„Setzen Sie sich gefälligst hin,‘ Er brüllt auf wie ein Kom- paniechef, ‚Zum Donnerwetter, wer hat Ihnen denn erlaubt, hier einfach rumzurennen.“
Ich laufe weiter, ich rase um den großen Tisch. Ein Stuhl fliegt um, ich hebe ihn auf, ich schwenke ihn hoch und setze ihn so hart auf den Boden, daß die Dielen dröhnen.


