Der Volksgerichtshef fordert Herrn Maximilian Schlenk aus Wien für den 10. Oktober in die Schranken. Als ihm die grüne Zustellungsurkunde zwei Wochen vorher in die Zelle gereicht wurde, fühlte er sich zu schwach, um sie persönlich zu quittieren. Aber das half ihm nichts, der Beamte unterschrieb selbst und klemmte die Ladung über die Fiebertafel zu Häupten des Bettes.
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Maximilianich muß ihn neuerdings Maxl nennen, weil man ihn daheim so nannte möchte um jeden Preis verhandlungsunfähig sein oder werden. Er gibt sich sogleich die größte Mühe dazu und will seine Anstrengungen in diesen vierzehn Tagen noch weiter planmäßig steigern. Ich sehe dieser schon beinahe nazistisch überspannten Leistungssteigerung mit einiger Besorgnis entgegen. Unser alter Weißbart will sich nämlich von Schlenk durchaus nichts Neues und nichts Stärkeres mehr vorspielen lassen. Ich warne ihn und alle andern ernstlich vor dem Simulieren, denn alle Fälle, die ich bisher beobachtete, endeten hoffnungslos im schlimmsten Arfestbunker.
Gewiß, der Maxl hat allen Grund, den bösen Volksgerichtshof zu fürchten. Es setzt ja neuerdings in der Bellevuestraße Todesurteile wie am laufenden Band. Die Herren haben die letzte falsche Scham verloren.
,, Köpfe rollen noch und noch", so schildert der Sanitätswachtmeister K., den die meisten Gefangenen nur als die ,, schwarze Pest" kennen, im Verwalterzimmer, in dessen Nähe ich mich gerade herumdrücke, die neue operative Lage der Front des höchsten Strafgerichts. Die ,, schwarze Pest", ein schöner ,. fetter Mann mit Heldenbaß und schwarzen Locken, pflegt die Tekas, die Todeskandidaten von Tegel , auf ihrer letzten Fahrt zu begleiten. Jedenfalls ist die ,, schwarze Pest" über alle Wege, die in Berlin vom Leben zum Tode durch den Henker führen, gut unterrichtet. Zartgefühl braucht man der ,, schwarzen Pest" nicht nachzusagen, doch verstreut sie auch ihre Ge
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