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auch Menschen.‘ Die Menschen reden ja so gern von dem, was sie nicht befolgen. Gefangenenwärter sprechen darum gern von Menschlichkeit. i
„Vati, hoffentlich darfst du bald wieder raus aus dem Laza- rett! Du bist wohl bloß erkältet gewesen, ich merke es noch an deiner tonlosen Stimme!‘ Kind, Kind, wenn du wüßtest! Sie erzählt von ihrer Hauswirtschaft in Wernigerode , von ihren Hühnern, vom Kirscheneinmachen, ja die Kirschenernte war besonders gut, doch leider gab es nicht so viel Zucker, wie man gebraucht hätte. Aber man müsse sich behelfen, es sei eben Krieg.
„Ja, es ist noch immer Krieg‘, nicke ich mechanisch und betrachte ihr hübsches, von keiner Not berührtes Gesicht. Ursula, denke ich dir geht es besser als den meisten Frauen. Du hast ein schönes Haus, du hast einen tüchtigen Mann. Und er braucht nicht in die Bluthölle. Er ist Ingenieur und darf daheim an zuverlässigen Maschinen stehen.
Ursula hat nach’ allen Himmelsrichtungen eine loyale Seele und seit ihrer Maidenzeit beim Arbeitsdienst einige hitleri- anische Spritzflecken im Gemüt. Ach, ich habe mich jahrelang viel zu wenig um die gute Ursula gekümmert. Wenn ich das nur noch einmal nachholen dürfte! Sie ist wahrhaftig ein liebes Kind, und wenn sie jetzt denkt, wer im Gefängnis sitzt, der müsse doch unrecht haben, so habe ich sie eben nicht zum geistigen Widerstand gegen diese Zeit erzogen.
Schade, meint Ursula, daß sie nicht die letzten Monate für mich absitzen könne, ihr würde das nichts machen, sie sei ja so viel jünger.
Die letzten Monate! Ursula, ale: du auch die Wehrkraft zersetzen!— Dein Wort in Gottes Gehörgang! Paris ist immer- hin gefallen, und es geht schon auf Metz.
Nach kurzen Monaten als Triumphator aus dem Kerker zu steigen, das möchte jetzt wohl so mancher. Nein, man muß in diesem Welttheater immer vollen Eintrittspreis bezahlen, das Schicksal gibt keinen Rabatt.
Zum Abschied wagt mir Ursula ein Päckchen Keks in die Hand zu drücken. ‚Stecken Sie’s schnell weg. Oben rin in den Frack!““ Auch der Wachtmeister will mal in aller Heimlichkeit menschlich sein.
Mundus vult decipi, die Welt will betrogen sein, lernten wir als kleine Lateinschüler, ohne uns viel dabei zu denken. Ein geschmuggeltes Päckchen Keks bringt mich auf große Gedanken.
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