rechten Zeigefinger behalten darf, will er die Welt sogar noch erträglich finden. Theo ist der erste, der mit mir wetten möchte, daß der Krieg noch in diesem Herbst zu Ende gehen würde, was ich leider stark bezweifeln muß.
Maximilian Schlenk hat geträumt, daß die Katastrophe am 9, November 1944 eintreten werde. Er hat sich in einem Zimmer gesehen, in dem das Kalenderblatt dieses Datum trug. Durch das Fenster blickte er auf ein brennendes Gebäude, das Hitlers neuer Reichskanzlei ähnlich gesehen hätte. Von Flammen zu träumen, bedeutet Glück.
Eines Abends rasselt Niko noch nach der Abschließung der Zellen mit der Klappe des Türspions. Er gibt die letzten Radio- meldungen durch: Die Amerikaner sind nun auch in Südfrank- reich gelandet, und im Norden stoßen die Panzer auf Versailles, für die Deutschen ein ominöser Ort.
Weil ich nicht an die Friedensschalmeien für diesen Herbst zu glauben vermag, nennen sie mich im Lazarett den Mies- macher. Ich muß mich verteidigen. Herrschaften, denkt doch mal nach: an einen schnellen Frieden im Zeichen der bevor- stehenden deutschen Niederlage zu glauben, heißt doch den Nazis Vernunft und. Gefühl für. Verantwortung zutrauen. Frei- willig von der Macht zurücktreten, weil sie ihre historische Partie verloren haben, das wäre gegen das Gesetz des Terrors, nach dem sie angetreten sind.
Paßt auf, sie werden noch die Keller Berlins verteidigen, nicht mehr in der Hoffnung auf Sieg, sondern um den Tag hinauszuschieben, an dem sie als Kriegsverbrecher verurteilt werden.
Nur einer ist unter uns, der an den Nazis doch noch ein gutes Haar lassen möchte, unser Medizinalkalfaktor Franz. Er kratzt sich linkisch an den grauen Koteletten und meint:„Ihr könnt ja gegen die Nazis sagen, was ihr wollt. Aber mir haben sie meine Rente als Kriegsopfer erhöht, um elf Mark fünfzig im Monat erhöht. Das ist immerhin was.“
„Ach, Mann“, entgegnet ihm Schlenk, ‚du hast in deinem Dämmerzustand gar nicht gemerkt, daß sie dir dafür das doppelte an Steuern abgezogen haben. Ich bin doch Buchhalter, ich weiß, daß sie immer eine Mark mit großem Geschmuse drauflegen, um stiil und leise zwei Mark wegzuholen.“
Das möchte nun Franz ja auch nicht bestreiten. Er leide ar; der geheimen ‚Sprekotz‘‘-Krankheit, da wisse man nicht immer,
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