Betten vollpinkelt, Wer sich bei mir vernünftig benimmt, der hat’s auch gut bei mir, Ich tue keinem was.‘
Ich schlage geräuschlos die Hacken meiner Filzschuhe zu- sammen,„Jawohl, Herr Verwalter, Jawohl, Sie sollen mit mir zufrieden sein! Vielen Dank, Herr Verwalter!‘
Habe ich das nun gut oder schlecht gemacht? Wollte er mich nur auf die Probe stellen? Aber nein doch, der gute Mann ist so, wie er sich gibt. Der will seine Ruhe haben. Der sagt kein überflüssiges Wort. Also lassen wir ihm seine Ruhe, Und ich habe meine Zeitungen, ich habe wieder einen kleinen Sieg zu buchen,
Sogleich vertiefe ich mich in die Blätter, die für mich die Welt bedeuten. Dabei merke ich, wie Schlenk, dessen Blicke an meinen Mundwinkeln hängen, mein bewegtes Mienen- spiel mitmacht. Ich habe ja längst bei ihm eine kleine Nach- ahmungspsychose festgestellt.
Deshalb klatsche ich in einer leichtbeschwingten Manie in die Hände, und schon klatscht er mit. ‚Warum klatschen Sie, Herr Schlenk, Sie wissen doch noch gar nicht, was ich gelesen habe und was ich daraus schließe?‘ Er meint, es würde schon was Gutes sein, er vermutet eine neue russische Offensive.
„Falsch geraten, aber Ihr Vertrauen ehrt mich. Der Iwan hat zwar vor Warschau haltgemacht, aber im Grunde haben Sie völlig recht. Unsre##tter rücken heran, diesmal ist es die angelsächsische Woge. Der Umschwung im Westen ist da. Die Amerikaner sind bei Avranches entscheidend durchgebrochen.””
„Bei Abrank— wo liegt Abrank?‘
„Avranches , Avranches ‘, verbessere ich und zeige in der Zei- tung, wie es geschrieben wird. ‚Den Namen müssen Sie sich merken, der Ort geht in die Weltgeschichte ein."
„Falls Sie nicht im Augenblick wieder mal in Ihrer ver- dammten manischen— Manie übertreiben! Man weiß ja bei Ihnen gar nicht mehr, wann Sie echt sind und wann Sie Ihre Rolle spielen.‘
„Oho, oho, jetzt bin ich echt. Ganz echt. Das müßten Sie doch fühlen. Der Atlantikwall durchstoßen!— Wenn das nicht eine historische Wende ist. Avranches , Sie kennen nicht Avranches , ist auch nicht zu verlangen, aber ich war da. An einem wundermilden Wintertag vor anderthalb Jahren habe ich bei der Autofahrt von Rouen nach St. Malo in Avranches zu Mittag gegessen. Der Aperitif war noch alt und der Blumen- kohl frisch vom Felde. Ein Landstädtchen in der Westnorman-
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Zuger


