hindert. Wie willst du dann beweisen, daß du unterdessen fest geschlafen hast? Solch eine blöde Geschichte haben wir erst vorige Woche gehabt. Sie hängen sich immer an die Röhre von der Heizung."
Das sind ja reizende Aussichten, denke ich. Aber ich bin jetzt auf den Wiener doch neugierig geworden. Also bitte, Herr Schlenk, erzählen Sie!
,, Die Weiber sind dran schuld, nur die Weiber!" bricht Schlenk bei erster Gelegenheit mit hoher, ein wenig weibischer Stimme los.
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,, Ohne die Weiber säße ich heute noch bei meiner Mutter, ja, und sie hat mich oft genug gewarnt. Maxl, Maxl, laß die Finger von den Madels! Sie müssen nämlich wissen, ich hatte früher bei den Mädchen kein Glück. Oder immer nur für kurze Zeit, und ich konnte mich nicht losreißen, wenn sie mir den Abschied gaben. Um eine hab' ich noch anderthalb Jahre gelitten, es war zum Wahnsinnigwerden. Sie gab mir keine Ruh', ich konnte nicht schlafen, und dabei hatte sie inzwischen schon einen ganz ekelhaften alten Kerl geheiratet. Endlich fand ich eine andre, das war schon im Kriege, ein ganz junges Ding von sechzehn Jahren, Ilonka hieß sie, und so niedlich, wirklich sehr niedlich und so süß und so lieb, und denken Sie bloß, die kriegt mich doch rum, daß ich mich freiwillig als Soldat melde. Mich, ausgerechnet mich, wo ich doch mit Leib und Seele Antimilitarist gewesen war! Also ich wurde Flieger, bloß der Ilonka zuliebe, weil das Madel ihren Freund durchaus in einer Fliegeruniform am Arm haben wollte. Ja, so blöde war ich! Können Sie sich überhaupt vorstellen, daß ich Soldat war? Es ist doch zum Lachen. Na, lange hat der schlechte Spaß auch nicht gedauert. Ich wurde krank, ich wurde richtig krank, ich war schon immer anfällig gewesen, litt viel an Nasenbluten und Schwindelanfällen, aber bei dem widerwärtigen preußischen Kommiẞ bekam ich eine Anaemie mit allen Schikanen.- Alles Unglück kommt vom Militarismus, nur der ewige Friede kann uns retten. Ein Weltfrieden, wie Roosevelt ihn will! Übrigens, haben Sie Wells gelesen? Den Engländer Wells? Der hat recht, ich schwärme für Wells ich"
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,, Einen Augenblick." Ich falle ihm ins Wort. ,, Halten Sie doch einmal an. Was kümmert uns Wells? Meinetwegen später. Aber im Augenblick handelt es sich um Sie. Wissen Sie, was Sie haben? Ideenflucht, jawohl, Ideenflucht!"
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Entgeistert starrt er mich an, seine Augen haben einen leeren


