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Kampf um den Kopf : meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943 - 1945 / Gerhard Schultze-Pfaelzer
Entstehung
Seite
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Sein verlegenes, vielleicht etwas argwöhnisches Kopfschütteln sagt nein.

,, Es war im Hotel Kaiserhof. Ich saß wohl mindestens eine Stunde in Ihrem Ecksalon nach dem Wilhelmplatz; es war ein sanfter Sommernachmittag, und Sie boten mir zum Abschied noch ein Glas dunklen Chianti aus Ihrer florentinischen Heimat." In seinen Zügen beginnt es zu leuchten. ,, Dottore, dottore, Sie waren auch nicht echt!"

Ich finde seine Antwort etwas fatal und doch famos. Es ist ein zeitgemäßer Gefängnishumor.

Seine erwachten Temperamente steigern sich zum Übermut. ,, Ach, wie entzückend hatten wir beide uns getarnt! Nicht wahr? Sie waren so wenig Nazi wie ich Faschist. Ich glaube, Sie kamen, um mich zu fragen, wie der Deutsche Verlag zu guten Bildreportagen aus Oberitalien gelangen könnte."

,, Stimmt", bestätigte ich belustigt ,,, so sagte ich. Das gab ich vor. Natürlich interessierten uns solche Reportagen nicht im geringsten. Die SS - Zensur in Italien hätte ja doch nur ein­fältige Mussolini - Propaganda durchgelassen. Die Sache war so: Meine heimlichen Vertrauten im Oberkommando der Wehr­macht sagten mir: Im Kaiserhof soll ein neuer Geheimchef der frischgebackenen faschistischen Republik sitzen. Man vermutet aber, dieser Mussolini - Agent sei auch schon zersetzt und spiele heimlich à la Badoglio. Gehen Sie doch einmal unter einem journalistischen Vorwand hin und fühlen Sie dem Herrn auf den Zahn. Vielleicht können wir ihn für uns gewinnen kam ich zu Ihnen."

,, Und wie fanden Sie mich?" fragt er froh gespannt in der selbstbewußten Manier eines verwöhnten Schauspielers.

,, Offen gesagt, ich fand Sie charmant, aber politisch ziemlich harmlos. Ich hatte den Eindruck, Sie wären vor allem nach Berlin gekommen, um Ihre giovinezza zu genießen. Als Sie nämlich aus dem intimeren Gemach etwas holen gingen, wurden im Türspalt einige Locken sichtbar, die einem entzückenden Blondkopf gehörten. Locken und Charme waren echt."

Er lächelt verschmitzt. ,, Nun, wir brauchen uns heute nichts mehr zu verheimlichen. Aber bleiben Sie mir weg mit der giovinezza! Davon habe ich reichlich genug. Ich mute Ihnen ja auch nicht zu, die Fahne Horst Wessels hochzuhalten."

,, Schön und gut, Signore! Daß Sie nicht mehr an Musso­linis Hymne erinnert werden wollen, begreife ich. Für ihn und seine Sache gibt es keine Jugend mehr. Aber da fallen mir

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