“ sächlich verrückt. Wo jibbts denn sowat! Herr, Sie haben lange
keine Daumschrauben an den Pfoten gehabt.“
Da wir uns hier in keinem Gestapohause befinden, sondern bei den„alten Kaffern von der Justiz‘, ist er völlig mit seinem SS -Latein zu Ende.;
Plötzlich packt ihn die Wut, er läßt eine fürchterliche Ver- wünschung fahren und schlägt die Eisentür hinter sich mit Donnergepolter ins Schloß.
Also da habe ich wirklich auf einmal verrückt gespielt. Eigent- lich ganz aus heiterm Himmel. Ich wollte einer kleinen Ver- legenheit entfliehen und bin gewissermaßen in die Verrücktheit hineingestolpert. Es war gar nicht so schwer, und ich hatte ohne Zweifel einen dramatischen Enderfolg. Ich behauptete siegreich das Kampffeld.
Was hat doch Freisler gesagt?„Sie sind wahnsinnig, Herr, soll ich Sie vielleicht auf Ihren Geisteszustand untersuchen lassen?“
So hat er gesprochen, obwohl ich ihm damals mit dialek - tischer Klarheit entgegentrat. Jetzt eben habe ich zum ersten Male ganz eindeutig blühenden Blödsinn geredet, sozusagen überlogischen Unsinn, wie ihn nur eine in schizoider Richtung angekränkelte Natur erzeugt.
Habe ich mir nicht gelobt, mit der Waffe der Krankheit für das Heil meines Kopfes zu kämpfen? Wer gegen übermächtige Feinde bestehen will, muß sich tarnen. Der Geist ist leichter zu tarnen als der Leib, denn er lebt und wirkt in unsichtbaren Gefilden. Und darum muß auch Krankheit des Geistes leichter zu tarnen und vorzutäuschen sein als Krankheit des Leibes. In den Sitz des Verstandes dringen keine Röntgenstrahlen.
Heureka, ich werde verrückt!
Narrheit, sei meine Waffe!
Wenn der Aufstand der Panzerritter zerbrochen ward, dann bleibt nur der Aufstand des Geistes, die Tarnung des Gehirns! Ich streite mit der Macht des Wahnsinns für die Vernunft, durch künstliche Umnachtung für das Licht. Ich schreite durch das Fegefeuer der Verwirrung in eine neue Klarheit.
Denn in der Finsternis wird Gott wachgerüttelt, damit er uns leuchtet in die Heiterkeit des neuen Lebens. Wir müssen erst im Land der blinden Schatten kämpfen, um einzugehen in das siegende Leben.
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