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Kampf um den Kopf : meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943 - 1945 / Gerhard Schultze-Pfaelzer
Entstehung
Seite
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Hört es, ihr geheimen Mächte, mein Geist wird ein Rebell! Es ist noch früh, als man mich holt. Wohin? Gleichviel wohin!

Mein Geist ist ein Rebell! Wenn der Aufstand der ver­schworenen Hirne und Herzen gescheitert ist, dann rebelliere ich als Einzelgänger des Zeitgeschehens.

In einem gutgescheuerten, karboldurchdufteten Sprechzim­mer soll ich warten. Wer kommt denn da? Hergott, das ist ja mein alter Gestapo - Quälgeist, der Kommissar Neumann von IVa der Hochverratsabteilung im Sicherheits- Hauptamt. Ich war ja fast fünf Monate sein Kellergast in der Prinz- Albrecht­Straße.

,, Nicht wahr, das ist immer ein Vergnügen, wenn sich so alte, gute Bekannte wiedersehen!" Er schaut mich so treuherzig an, als seien wir wirklich einmal beinahe befreundet gewesen. Die schleimige Biedermannsart gehört zu seinem Geschäft. Er. pflegte eine volkstümliche Schmuserrolle zu spielen, bis er schließlich losbrüllte: Herr, wollen Sie durchaus, daß ich meine richtige, tolle Tour kriege!

Ich schweige in matter Überraschung.

,, Na, hören Sie mal, mein Lieber, wie sehen Sie denn aus", fährt er fort. ,, Sie gefallen mir aber auch gar nicht. Da sehnen Sie sich wohl nach den Fleischtöpfen der Prinz- Albrecht- Straße? Ja, so gut wie bei der Gestapo hat man's in den Gerichts­gefängnissen natürlich nicht. Bei uns bekamen sie doch regelmäßig ihre gute Medizin."

,, Sofern mir nicht Ihre netten jungen Herren die Flaschen auskippten und dafür Urin einließen." Über meine Offenherzig­keit sind wir beide verblüfft, doch er wird nicht böse.

,, Na, wenn schon! Spaß muß sein bei der Leiche, sonst geht keiner mit. Aber darüber keine Feindschaft. Ich will Ihnen helfen, aber Sie müssen mir auch helfen. Eine Hand wäscht die andre. Das ist nun mal in der Welt so häßlich eingerichtet." ,, Häßliche Einrichtungen sind mir bei Ihnen immer vertrau­ter geworden, besonders bei Ihnen, Herr Kommissar."

,, Da schlägt's dreizehn! Nun hören Sie aber auf. Wo ich Sie immer so riesig anständig behandelt habe. Was ist denn Ihnen schon passiert! Doch einfach gar nichts. Vielleicht mal einen Freundschaftsdruck vorn auf die Pfoten, wenn Sie uns aber auch gar nichts erzählen wollten. Oder ein bißchen Rumpf­beugen, übrigens eine sehr gesunde Körperübung."

,, Und die nassen Stricke um den nackten Oberkörper, wenn

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