schmutzigen Tiefe des B- Flügels aufgereiht. Daß wir ihnen noch begegnen, ist offensichtlich ein Regiefehler, der ,, Haifisch" jagt mit schnappendem Rachen herum und sucht, wen er zunächst von seinen Leuten verschlingen könnte.
Das erste, was an der barhäuptigen Mannschaft ins Auge fällt, sind ihre wirren Haare. Sie stehen in schweren Fesseln und können sich die zerzausten Strähnen nicht glattstreichen. Manche Schädel und Gesichter sind blutunterlaufen; es ist das nächtliche Werk der Kolben und Knüttel im Gestapobereich.
Zwischen dem Feldgrau leuchtet Marineblau; zwei breitvergoldete Unterärmel melden einen Admiral. Ich kenne ihn; in den Aufständen nach dem ersten Weltkrieg war er ein erzreaktionärer Kapitän und bei den roten Revolutionären als Bluthund verhaßt. Jetzt hat er den Goldarm gegen den Mörder der Freiheit erhoben und wird für die Sache des Fortschritts sterben. Aber es kommt auf das Ende an, das letzte Opfer entscheidet. Wofür wir sterben müssen, dafür haben wir auch gelebt!
Da stehen Männer in Trotz und Not, darunter halbe Kinder und Greise, Offiziere aus drei Zeitaltern.
Dort flammt das alte Karmesin des Generalstabs an der Hose auf, es ist der Oberstleutnant W., ich wußte niemals recht, ob ihm zu trauen war; verzeihen Sie mir, Sie Schwerdurchdringlicher, Ihr Fall ist jetzt entschieden. Und dort der junge Hauptmann A., der das heiße Herz auf schneller Zunge trug. Ich hatte manchmal Angst um ihn. Was suchte man hinter Ihrer zerrissenen Rockbrust? Woher die Tropfenbahn des Blutes? Haben Sie nun heute nacht bei der Gestapo Ihren Mund zu viel oder zu wenig aufgemacht?
In dem Getümmel unseres Abmarsches suche ich ihm zuzunicken, ah, jetzt hat er mich erkannt, um seine zerrissenen Lippen zuckt es schmerzlich erfreut. Ade, wenn ihr keine Helden wart, so endet als Helden!
Im Hofe steht ein Bereitschaftssturm Gestapo mit blitzneuen Maschinenpistolen. Die Luft ist draußen mit dörrender, würgender Hitze geladen. Auf der Erde kriecht ein trockner Moderduft. In diesem geilen Sonnenglast krabbeln wir wie Ungeziefer. Die Atmosphäre lechzt vergebens nach Reinigung. Und die Deutschen sind gestern wieder einmal um eine Erlösung betrogen worden.
Wir hocken gepreßt und gedrückt auf offenen Lastwagen. Es geht die lange, schnurgerade Müllerstraße hinauf gen
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