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Spaniers dicke Mittagskuhlen. Er schiebt die gefesselten Hände bis zur Hüfte, er beugt den Rumpf zur Tischplatte. Dann fassen die Hände wie eine geöffnete Kneifzange zu und ziehen die Kuhle an den Tischrand. Nun geht er in die Kniebeuge und beißt mit seinen blanken Zähnen in die Brotkruste. Doch die Doppelschnitte klappt auseinander, und die beiden Hälften fallen im Bogen zur Erde.
Soll er jetzt wie ein Hund die Brotstücke mit dem offenen Maul vom Estrich schnappen? Schon liegt er lang, schon schnappt sein Mund nach dem großen Brocken, während die gefesselten Hände wie der Stummel eines Hundeschwanzes vom Rücken wedeln.
,, Levez- vous, levez- vous!" Ich wagte mich bisher nicht einzuschalten, er wollte selbständig bleiben. Aber jetzt kann ich's nicht länger mit ansehen, zu grausam ist der nackte Kampf der Kreatur. Schon habe ich die Kuhlenstücke an mich gerissen. Er springt mit einem Satz in die Höhe und hastet in die Ecke, als überfalle ihn plötzlich eine furchtbare Scham.
Aber warum sollten gerade wir uns schämen, das wäre Sache unserer Feinde, die uns mit allem Raffinement erniedrigen. Wir sind über die Sprachen und Länder hinweg verbündet, wir sind wirklich Kameraden in der Katastrophe.
,, Komm, Kamerad, ich füttre dich!" Er versteht die gemurmelten deutschen Worte nicht, doch er läßt sich willig mit den Brotstücken füttern, die ich von den großen Scheiben abbreche. Und er iẞt mit derselben leidenschaftlichen Überstürzung, mit der er vorhin von seiner Verurteilung erzählt hatte. Aber dann wissen wir beide nichts mehr zu tun und nichts mehr zu sagen. Seine dunklen Augen lodern schwül durch den Schmutz.
Ich spüre den Hauch der Gruft auf der Haut. Ach, wir sind schon in die Unterwelt versenkt, wir siechen schon in einer kleinen Kammer unter der Erde, wir hören ein letztes Summen aus dem Reich der Toten.
Noch fegen meine Arme frei im Raum, noch bannt sie nicht die letzte Rückenklammer. Aber einmal bin ich auch so weit wie er, der fremde Kamerad. Ja, einmal kommt auch bei mir der schwere Anfang vom Ende. Und tête kaputt- kaputt, der Tod ist international. Einerlei, wo man endet. In spanischen Richtstätten riecht es auch nicht besser.
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Wie wir für dieses Mal aus der Kellerzelle in die Sonne des Julitages zurückkamen, ist in mir untergegangen. Da stehen wir
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